
Wenn es einen Gott gibt, muss der Atheismus ihm wie eine geringere Beleidigung vorkommen als die Religion
Bedeutung
Goncourt formuliert eine provokante religiöse Paradoxie: Wenn Gott existiert, dann wäre er durch den Atheismus weniger beleidigt als durch die Religion. Denn der Atheist leugnet Gott schlicht – eine klare, wenn auch falsche Position. Die Religion hingegen beansprucht, Gott zu kennen, zu interpretieren, in seinem Namen zu sprechen und Institutionen zu errichten, die womöglich weit von seinem eigentlichen Wesen entfernt sind. Das Zitat ist eine scharfe Kritik am institutionalisierten Glauben: Nicht das Leugnen Gottes ist das größere Vergehen, sondern die Anmaßung, ihn zu besitzen.
Verwendung
Passend in philosophischen oder religionskritischen Diskussionen über institutionalisierte Religion und das Verhältnis zwischen Glaube und Gottesvorstellung. Dieser Spruch enthält eine religionskritische Aussage, die religiöse Gefühle verletzen kann. Nur in Kontexten verwenden, in denen eine kritisch-distanzierte Auseinandersetzung mit religiösen Institutionen ausdrücklich erwünscht ist.
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Über Edmond de Goncourt
Über den Autor
Schriftsteller · Französisch · 1822 - 1896
Edmond de Goncourt (1822–1896) führte mit seinem Bruder ein gemeinsames Autorenduo und gab dem Prix Goncourt seinen Namen.
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Nach dem frühen Tod Jules’ schrieb Edmond Tagebücher und Romane allein weiter und pflegte zugleich den literarischen Nachlass des Brüderpaars. Die „Journal“-Bände sind eine dichte Chronik des französischen Künstler- und Schriftstellerlebens des 19. Jahrhunderts. Sein Testament begründete später die Académie Goncourt.

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