
Durch Lesen können keine neuen Begabungen in uns geweckt werden, wohl aber die schlummernden erweckt, gefördert und bereichert werden.
Bedeutung
Schopenhauer unterscheidet zwischen dem Wecken und dem Erschaffen von Talent: Lesen kann nicht erzeugen, was nicht angelegt ist – aber es kann zum Vorschein bringen, was im Verborgenen schlummert. Das ist keine Einschränkung, sondern eine Ermutigung: Was in einem steckt, braucht den richtigen Impuls. Bücher geben Anstöße, die das Vorhandene entfalten, schärfen und bereichern. Schopenhauer lehnt damit sowohl die Überschätzung der Bildung ab – Bücher machen keine Genies – als auch ihre Unterschätzung: Ohne Lektüre bleibt manches ungenutztes Potenzial.
Verwendung
Begabung, Bildung und das Verhältnis von Natur und Förderung sind Themen, bei denen das Zitat sehr nuanciert eingesetzt werden kann. In pädagogischen Texten oder Reden über Lesen als Entwicklungstool eignet es sich gut als Grundgedanke. Als Widmung in einem Buch an jemanden, den man zum Lesen ermutigen möchte, hat es eine einladende, nicht belehrende Qualität.
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Über Arthur Schopenhauer
Über den Autor
Philosoph · Deutsch · 1788 - 1816
Arthur Schopenhauer (1788–1860) entwarf eine Philosophie des subjektiven Idealismus, die Erkenntnistheorie, Metaphysik, Ästhetik und Ethik auf einem irrationalen Weltprinzip gründet.
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Schopenhauer verstand sich als Vollender Immanuel Kants und baute seine Lehre zugleich auf der Ideenlehre Platons sowie indischen Philosophien auf. Er gehörte zu den ersten deutschsprachigen Philosophen, die ein irrationales Prinzip als Grundlage der Welt vertraten. Seine Werke beeinflussten u. a. Nietzsche, Freud und Wagner nachhaltig.

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