
Erst merkt man es selbst. Dann merken es auch die anderen. Und dann merken es nur noch die anderen.
Bedeutung
Gustav Heinemann beschreibt mit trockenem Witz den Verlauf des Alterns oder Nachlassens. Zuerst nimmt man Veränderungen selbst wahr, später sehen sie auch andere, und irgendwann merken nur noch die anderen, was man selbst nicht mehr bemerkt. Der Spruch spielt mit Selbstwahrnehmung, Würde und Kontrollverlust. Er ist humorvoll, hat aber einen ernsten Kern über Vergänglichkeit. Dadurch bleibt das Zitat komisch, ohne die leise Verletzlichkeit des Themas ganz zu verdecken.
Verwendung
Das Zitat passt zu ironischen Geburtstagsreden, politischen Porträts, Rückblicken oder Texten über Alter und Selbstbild. Es sollte nicht gegen Menschen verwendet werden, die unter Krankheit oder nachlassenden Fähigkeiten leiden. In vertrauter Runde kann es trocken und pointiert wirken. Der Humor braucht Nähe, damit er nicht respektlos wirkt.
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Über Gustav Walter Heinemann
Über den Autor
Politiker · Deutsch · 1899 - 1976
Gustav Walter Heinemann (1899–1976) war der dritte Bundespräsident der BRD, der zuvor aus Protest gegen die NATO-Wiederbewaffnung als Innenminister zurücktrat.
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Heinemann war in seinem Leben mit fünf Parteien verbunden: von der DDP über den CSVD zur CDU, dann zur selbst mitgegründeten pazifistischen GVP und schließlich zur SPD. Als Oberbürgermeister von Essen (1946–1949) und späterer Bundesjustizminister (1966) durchlief er fast alle Ebenen der deutschen Politik. Seine Wahl zum Bundespräsidenten 1969 kommentierte er mit dem vielzitierten Satz „ein Stück Machtwechsel".

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