
Die Frauen nämlich gehören stets zu den modernsten aller Menschen; und nicht bloß deswegen, weil sie meistens jünger sind, als ihr Geburtsschein behauptet.
Bedeutung
Spitteler gibt Frauen zunächst ein Kompliment – sie seien die modernsten Menschen – und fügt dann eine Erklärung hinzu, die es zugleich untergräbt: die Behauptung, Frauen seien oft jünger als ihr Alter zeige, oder gäben es zumindest vor. Der Witz funktioniert als Doppeldecker: vordergründig lobend, hintenherum das Klischee der Altersverheimlichung bedienend. Was als Scherz über gesellschaftliche Modernität gemeint war, entpuppt sich bei genauer Lektüre als stereotype Abwertung. Der zweite Halbsatz macht die scheinbare Verbeugung zur Pointe auf Kosten der Frauen.
Verwendung
Das Zitat passt in historisch-analytischen Kontexten, etwa bei der Betrachtung von Frauenbildern im Wilhelminischen Zeitalter oder in Texten über versteckte Stereotype in Literatur und Humor. Als unkommentiertes Alltagszitat ist es nicht geeignet – der vermeintliche Witz reproduziert ein Klischee, das heute berechtigt als abwertend gilt. Das Zitat sollte nicht ohne kritische Einordnung verwendet werden. Es dokumentiert ein Frauenbild der Jahrhundertwende, das Modernität mit Jugendlichkeit gleichsetzt und dabei Frauen auf Äußerlichkeiten reduziert.
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Über Carl Spitteler
Über den Autor
Schriftsteller · Schweizerisch · 1845 - 1924
Carl Spitteler (1845–1924) war Schweizer Dichter und Essayist, der 1919 als einziger gebürtiger Schweizer den Nobelpreis für Literatur erhielt.
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Spitteler wurde am 24. April 1845 in Liestal geboren und starb am 29. Dezember 1924 in Luzern. Er schrieb auch unter dem Pseudonym Carl Felix Tandem und war neben seiner dichterischen Tätigkeit als Kritiker und Essayist tätig. Sein Geburtsort Liestal sowie Bennwil in Basel-Landschaft zählen zu seinen Heimatorten.
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