Sprüche über Alter
622 Sprüche — Seite 28
Mit den Jahren verändert sich nicht nur das Gesicht eines Menschen, sondern auch sein Blick auf Zeit, Verlust, Nähe und Bedeutung. Alter ist weit mehr als eine Zahl, denn in ihm sammeln sich Erfahrung, Ernüchterung, Gelassenheit und neue Formen von Freiheit. Gerade dadurch wird dieses Thema zugleich ernst und reich.
Nicht nur Abschied, sondern auch Klärung gehört zu seinem Wesen. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie das Alter Maßstäbe verschiebt, Eitles verblassen lässt und den Wert des Wesentlichen deutlicher hervortreten lässt als in den unruhigeren Jahren des Anfangs.
Die Falten um die Stirne dein lass sie nur heiter ranken, das sind die Narben, die darein geschlagen die Gedanken.
— Joseph Victor von Scheffel
Das Alter ist eine Reisende der Nacht, die Erde verbirgt sich und der Himmel wird sichtbar
— Francois René de Chateaubriand
Wenn man in die mittleren Jahre kommt, kennt man alle Antworten, doch nur höchstselten stellt einem jemand die entsprechenden Fragen!
— Henri Dunant
Alte Leute müssen ihre Stärke aus der Schüssel nehmen.
Die Alten sind auch keine Narren gewesen.
Alter Mann macht junger Frau Freude wie der Floh im Ohr.
Die Alten sind zäh, geben tut ihnen weh.
Wer sich heute nicht bessert, wird morgen ärger.
Das Bemühen zu leben währt lebenslänglich.
— Else Pannek
Die gute alte Zeit ist die gute alte Zeit, weil man damals jung gewesen ist.
— Else Pannek
Alt zu werden ist eine Gnade — aber nicht immer ein Vergnügen.
— Else Pannek
Jugend weiß alles. Das Alter weiß was alles möglich ist.
— Else Pannek
Ich liebe alles, was alt: Alte Freunde, Zeiten, Bräuche, Bücher und Weine.
— Oliver Goldsmith
Wer die Gesundheit nicht achtet, dem wird es im Alter leid tun
Wer die Jugend schilt und Jugend scheucht, einsam durch mürr'sches Alter kreucht.
— Carl Leberecht Immermann
Eine Zierde zwar ist das Alter des Geschlechts, aber eigentlich doch nur eine Aufforderung, den Ahnen ähnlich zu werden.
— Ulrich von Hutten
Wenn der Mensch in einem gewissen Alter alle seine Liebesbriefe lesen würde, bliebe es ihm unbegreiflich, wie in ein Wesen von fünf Fuß Höhe eine ganze Bibliothek von Dummheiten geraten konnte.
— Gottlieb Moritz Saphir
Wehe, die Welt ist alt, und der Abend für die menschlichen Dinge ist gekommen; und wer jetzt geboren wird, erhält Vernunft und Bewegung zu spät.
— Giacomo Leopardi
Im Alter ist Unabhängigkeit eine Form der Sklaverei.
— Giacomo Casanova
Wie für unterschiedliche Jahreszeiten, so ziemt sich auch für unterschiedliche Lebensalter eine andere Handlungsweise.
— Titus Maccius Plautus