Sprüche über Klugheit
453 Sprüche — Seite 23
Mehr als bloßes Wissen ist Klugheit die Kunst, das Rechte im richtigen Maß zu erkennen. Sie verbindet Erfahrung mit Urteil, Vorsicht mit Entschlusskraft und zeigt sich oft eher im Weglassen als im großen Auftritt. Deshalb gilt dieses Thema seit jeher als eine der feinsten Formen menschlicher Reife.
Ihr eigentlicher Wert zeigt sich dort, wo Einsicht das Handeln leitet, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen. Die Sprüche zu diesem Thema machen deutlich, warum Klugheit selten laut ist und doch oft weiter trägt als schnelle Brillanz.
Die Gebote der Natur stehen niemals im Widerspruch zu denen der Klugheit
— Juvenal
Zu wünschen bleibt, dass in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohne
— Juvenal
Gesunder Menschenverstand ist rar im Glück
— Juvenal
Nirgends sollst du stolz sein als im Geistigen. Aber dort sollst du nur mit Königen verkehren.
— August Pauly
Die Menge ist ein dummes Tier, auf dessen Rücken sich jeder schlaue Glücksritter schwingen kann und trägt sie ihn einmal, so bringt ihn keiner mehr herunter als die Zeit. Diese aber sicher.
— August Pauly
Gebildet ist ein Mensch, in dem durch Erziehung und Unterricht die menschliche Anlage zu einer das menschlich-geistige Wesen rein und voll darstellenden individuellen Gestalt entwickelt ist.
— Friedrich Paulsen
Wir schätzen erst des Nächsten Geistesgaben und lieben ihn, wenn wir verstanden haben.
— Heinrich Martin
In jedem Mensch steckt Philosophie, doch nur der Kluge kennt und findet sie.
— Heinrich Martin
Männer mit großem reichen Innern können nie anders als äußerst einfach, ohne Kunst und Prunk auftreten, weil sie genau ihren und des nächsten Wert erkennen.
— Heinrich Martin
Wissenschaft ist ein erstklassiges Möbelstück für die bel étage – sofern im Erdgeschoß gesunder Menschenverstand herrscht.
— Oliver Wendell Holmes
Die Aufgabe des Kenntnisreichen ist es, zu sprechen, das Privileg des Weisen ist zuzuhören.
— Oliver Wendell Holmes
Welcher Gedanke kann so hohe Lebensklugheit geben wie der Todesgedanke!
— Adolf Wilhelm Ferdinand Damaschke
Die Menschen werden alt, aber selten reif
— Alphonse Daudet