
An den Sünden einer Frau ist der Mann nicht unschuldig.
Bedeutung
Das italienische Sprichwort formuliert eine Mitverantwortung in Beziehungen: Was ein Mensch tut, ist nicht allein sein Werk – der Partner, die Umgebung, die Beziehungsgestaltung haben Anteil. Wer die Sünden des anderen komplett von sich weist, übersieht seine eigene Mitgestaltung der Situation. Das ist ein Plädoyer für gegenseitige Verantwortung statt einseitiger Schuldzuweisung. Entscheidend ist die Spannung zwischen Gefühl, Erwartung und Selbstbild. Der Satz spricht nicht nur über Liebe, sondern darüber, wie Menschen Nähe deuten, idealisieren, verlieren oder in alte Rollenbilder übersetzen.
Verwendung
Passend ist das Sprichwort höchstens in historischen Sammlungen oder kritisch eingeordneten Texten über alte Schuld- und Geschlechterbilder. Für moderne Beziehungstexte ist es ungeeignet, weil weibliche Sünde auf männliche Mitverantwortung verengt wird. Heute braucht der Spruch Einordnung, weil sein Frauenbild altmodisch und nicht mehr zeitgemäß wirkt, und nicht unkommentiert empfohlen werden sollte. Ein kurzer Begleitkontext ist daher nötig.
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