
Mit einem Menschen, welcher den gekreuzigten Gottmenschen verehrt, ist immer noch mehr anzufangen als mit einem, der weder an die Menschen noch an die Götter glaubt.
Bedeutung
Gottfried Keller nimmt eine Wertung vor, die heute herausfordernd wirkt: Wer an den christlichen Gott glaubt, sei als Mensch besser umzugehen als ein vollständiger Ungläubiger. Der Satz erklärt sich aus dem 19. Jahrhundert, in dem Glauben als moralisches Fundament galt. Die Formulierung ist nüchtern bis abwertend gegenüber Menschen ohne Glauben und stellt religiöse Zugehörigkeit implizit über Atheismus. Keller selbst war ein religiöser Zweifler – der Satz ist weniger Bekenntnis als pragmatisches Urteil über die Wirkung von Glauben auf soziales Handeln.
Verwendung
Das Zitat passt in historisch-literarische Kontexte, etwa Analysen von Kellers Weltanschauung oder Diskussionen über den Stellenwert von Religion in der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Als aktuelles Alltagszitat ist es nicht geeignet – die Aussage impliziert eine Rangordnung zwischen Glaubenden und Ungläubigen. Das Zitat sollte nur mit eindeutiger historischer Einordnung verwendet werden. Es transportiert eine abwertende Haltung gegenüber Atheisten und nichtchristlichen Menschen, die heute berechtigt als religiöse Ausgrenzung gilt.
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Über Gottfried Keller
Über den Autor
Schriftsteller · Schweizerisch · 1819 - 1890
Gottfried Keller (1819–1890) war Schweizer Dichter, Maler und Erster Staatsschreiber des Kantons Zürich, dessen Romane „Der grüne Heinrich" und „Die Leute von Seldwyla" den bürgerlichen Realismus prägten.
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Nach einem Jugendstreich von der höheren Schulbildung ausgeschlossen, versuchte Keller zunächst als Landschaftsmaler Fuß zu fassen und verbrachte zwei Jahre in München. Erst die politische Lyrik des Vormärz brachte ihn zur Dichtung. Mit einem Zürcher Reisestipendium studierte er in Heidelberg und Berlin – ursprünglich mit dem Ziel, Theaterstücke zu schreiben, woraus stattdessen seine bedeutendsten Prosawerke entstanden.
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