
Toleranz ist ein Beweis des Misstrauens gegen ein eigenes Ideal.
Bedeutung
Nietzsche formuliert Toleranz bewusst provokant. Wer etwas toleriert, glaubt offenbar nicht so vollkommen an sein eigenes Ideal, dass alles Abweichende vernichtet oder ausgeschlossen werden müsste. Toleranz erscheint damit nicht als reine Tugend, sondern als Zeichen innerer Distanz zum eigenen Absoluten. Der Satz ist irritierend, weil er eine moderne Selbstverständlichkeit gegen den Strich liest. Er fragt, ob Duldsamkeit aus Großmut entsteht oder aus Zweifel an letzter Gewissheit. Nietzsche macht aus einer Tugendfrage eine Prüfung des Verhältnisses zum eigenen Ideal.
Verwendung
Geeignet ist das Zitat für philosophische oder politische Debatten über Toleranz, Werte und Überzeugungen. Es ist nicht als einfacher Toleranzspruch geeignet, weil der Ton skeptisch und herausfordernd ist und leicht missverstanden werden kann. In Debatten eignet er sich als Reizsatz, dem anschließend eine differenzierte Einordnung folgen sollte.
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Über Friedrich Nietzsche
Über den Autor
Philosoph · Deutsch · 1844 - 1900
Friedrich Nietzsche (1844–1900) war ein deutscher Philosoph und Philologe, dessen radikal neue Denk- und Schreibweise alle klassischen Disziplinen sprengte und die Lebensphilosophie begründete.
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Mit 24 Jahren wurde er als jüngster je berufener außerordentlicher Professor für klassische Philologie an die Universität Basel berufen, legte den Lehrstuhl jedoch 1879 aus gesundheitlichen Gründen nieder. Fortan lebte er als rastloser Reisender in Italien und der Schweiz. Ab 1889 machten ihn schwere psychische Störungen arbeitsunfähig – seinen eigenen Weltruhm erlebte er nicht mehr bei Bewusstsein.

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