
Einander kennenlernen heißt, lernen wie fremd man einander ist.
Bedeutung
Morgenstern dreht die Erwartung an das Kennenlernen um: Man erwartet, durch Nähe Vertrautheit zu gewinnen. In Wirklichkeit offenbart die Nähe Fremdheit: die Eigenheit, Unzugänglichkeit, das Nicht-Verstehbare am anderen. Das ist keine pessimistische Aussage, sondern eine ehrliche – und zutiefst menschliche: Intimität enthüllt Verschiedenheit. Im Zusammenhang mit Erfahrung gewinnt der Gedanke zusätzliches Gewicht, weil er eine konkrete Haltung sichtbar macht. Gerade dadurch eignet sich der Spruch für Leserinnen und Leser, die eine kurze Aussage mit erkennbarem innerem Kern suchen. Der Satz zielt auf Lernen, Können oder Orientierung als praktische Erfahrung. Er wirkt nicht durch bloße Belehrung, sondern dadurch, dass er eine konkrete Haltung zu Irrtum, Ziel oder Wissen verlangt.
Verwendung
Als Reflexion über Beziehungen und das Wesen der Fremdheit. Passend in Gesprächen über Ehe und Partnerschaft, als Einladung zur Akzeptanz des Unverfügbaren im anderen oder als poetisches Zitat über die Grenzen von Vertrautheit. Er passt in kurze Reden, Briefe oder begleitende Texte, wenn der Anlass klar benannt wird. Passend ist er für persönliche Nachrichten, kurze Reden oder Reflexionen, wenn der Anlass die Aussage wirklich trägt. Ein konkreter Bezug macht den Spruch wärmer und weniger austauschbar.
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Über Christian Morgenstern
Über den Autor
Schriftsteller · Deutsch · 1871 - 1914
Christian Morgenstern (1871–1914) schuf mit den „Galgenliedern" absurd-komische Gedichte, die Sprache und Logik auf einzigartige Weise spielerisch unterliefen.
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Neben seiner komischen Lyrik verfasste Morgenstern auch ernste, von Rudolf Steiners Anthroposophie beeinflusste Dichtung. Er arbeitete zudem als Übersetzer, u. a. von Ibsen und Strindberg. Morgenstern starb bereits mit 42 Jahren in Untermais, Tirol, an den Folgen einer Tuberkulose-Erkrankung, die ihn sein ganzes Erwachsenenleben begleitete.

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