Sprüche über Wissen
714 Sprüche — Seite 36
Seit jeher sucht der Mensch nach Wissen, um die Welt zu verstehen und sich in ihr sicherer zu bewegen. Doch mit jeder Antwort wachsen auch neue Fragen, sodass Erkenntnis nie bloßer Besitz, sondern ein fortwährender Prozess bleibt. Eben darin liegt die Größe dieses Themas, das Neugier und Bescheidenheit zugleich verlangt.
Sein Wert zeigt sich nicht allein in Fakten, sondern in Urteilskraft, Unterscheidung und der Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen. Die Sprüche zu diesem Thema erinnern daran, dass echtes Wissen ohne Offenheit nicht gedeiht und dass Weisheit oft dort beginnt, wo man die eigenen Grenzen mitdenkt.
Wir fühlen es, wenn wissende Augen uns anschauen.
— Theresa Keiter
Unsere Leidenschaft tritt so oft ungezügelt auf, dass sie dann unser bestes Wissen, unsern festen Willen und unsere ganze moralische Kraft niedertritt.
— Heinrich Martin
Narren brüsten sich laut und bringen ihr Wissen zu Markte, doch der höhere Geist schweigt und verwendet die Kraft.
— Heinrich Martin
Ringsherum Grenzen unseres Erkennens. Eingekapselt sind wir in die Schale unserer fünf Sinne, eingekapselt in Raum und Zeit.
— Friedrich Lienhard
Das ist eine Hauptaufgabe des Lebens: Die physische Jugend welche vorübergeht, durch eine geistige zu ersetzen.
— Rudolf Eucken
Wenn man doch immer bedenken wollte, dass die Religion mehr Sache des Gewissens als des Wissens ist!
— Friedrich Polack
Die medizinische Forschung hat so enorme Fortschritte gemacht, dass es überhaupt keine gesunden Menschen mehr gibt.
— Thomas Henry Huxley
Wissenschaft ist ein erstklassiges Möbelstück für die bel étage – sofern im Erdgeschoß gesunder Menschenverstand herrscht.
— Oliver Wendell Holmes
Die Wissenschaft ist die Ortsbeschreibung der Unwissenheit.
— Oliver Wendell Holmes
Die Wissenschaft will nur glauben, was sie weiß, die Kirche nur wissen, was sie glaubt.
— Friedrich Wilhelm Kaulisch
Die Kirche sagt: Die Erde ist eine Scheibe. Ich aber weiß, dass sie rund ist, da ich ihren Schatten auf dem Mond gesehen habe; und ich habe mehr Vertrauen in einen Schatten, als in die Kirche.
— Ferdinand Magellan
Es entzieht sich keineswegs unserer Kenntnis, dass derjenige, der sein Wissen nur aus Büchern schöpft, ungebildet und einfältig ist.
— Tommaso Campanella
Bei allen Völkern, die es zu etwas Großem in der Welt gebracht, hat man nicht die Gelehrten zuerst genannt, sondern diejenigen, welche ein reiches Wissen in vaterländischen Tugenden ausprägten.
— Friedrich Christoph Dahlmann
Was wir nicht zu erkennen vermögen, ist uns zu wissen nicht notwendig.
— Marie de Vichy-Chamrond (M. du Deffand)