Sprüche über Liebe
1604 Sprüche — Seite 71
Kein anderes Gefühl vermag einen Menschen zugleich so zu stärken und so verletzlich zu machen wie die Liebe. Sie stiftet Nähe, weckt Sehnsucht, fordert Vertrauen und lässt selbst im Glück ein leises Zittern zurück. Darum gehört sie seit Jahrhunderten zu den großen Themen von Dichtung, Philosophie und Lebensweisheit.
In ihrer ganzen Tiefe zeigt sie sich nie nur als romantisches Versprechen, sondern auch als Prüfung von Geduld, Hingabe und innerer Reife. Die Sprüche zu diesem Thema fassen jene Kraft in Worte, die Herzen öffnet, Maßstäbe verschiebt und dem Leben seinen hellsten wie schmerzlichsten Glanz verleihen kann.
Heiraten ist nicht Kappentauschen.
Öftere Hochzeit hat nicht Ehre.
Gesellentreue nicht besteht, Eheweibs Treu über alles geht, Brüder und Mütter lieben sehr, aber ein Eheweib noch viel mehr.
Viel Gaben muss der Ehestand haben.
Was man liebt, findet man überall, und sieht überall Ähnlichkeiten.
— Novalis
Hurenlieb so lange währt, als das Feuer auf dem Herd.
Wen der Kellner liebt, der trinkt oft.
Der Geist baut das Luftschiff, die Liebe aber mag gen Himmel fahren.
— Friedrich von Schiller
Der liebe Gott hat nicht gewollt, dass edler Wein verderben sollt, drum hat er auch zum Saft der Reben den nötigen Durst dazu gegeben
Frauen geben der Freundschaft nur das, was sie von der Liebe leihen.
— Nicolas Chamfort
Es liegt tief in der Natur des Menschen, dass er alles essen will, was er liebt.
— Oswald Spengler
Du sollst keinen Geliebten haben neben ihm: Aber du sollst Freundin sein können, ohne in das Kolorit der Liebe zu spielen und zu kokettieren oder anzubeten.
— Friedrich Schleiermacher
Die Liebe hat für jedes Lebensalter seine Leiden
— Iwan Turgenjew
Die fruchtbringende Liebe verschönt, wenn sie begonnen. Das ist der Same, den sie hat und kraft dessen sie nie vergehen wird.
— Gottfried von Strassburg
Wer nicht lieben kann, der versteht nicht menschlich zu leben.
— Johann Kaspar Lavater
Es ist einer eignen Betrachtung wert, dass die Gewohnheit sich vollkommen an die Stelle der Liebesleidenschaft setzen kann: sie fordert nicht sowohl eine anmutige als bequeme Gegenwart, alsdann ab …
— Johann Wolfgang von Goethe
Letztendlich ist die Liebe im Vergleich zum Esprit einer Tabakspfeife banal.
— Jules de Goncourt
Wer verliebt ist, seufzt und hofft und glaubt und jauchzt.
— Christian Dietrich Grabbe
In der Liebe ist alles wahr, alles falsch. Sie ist das einzige Ding, über das man nichts Absurdes sagen kann
— Nicolas Chamfort
Von dir, oh Liebe, nehm ich an den Kelch der bittern Leiden; Nur einen Tropfen dann und wann, nur einen deiner Freuden! So wird dein Kelch, oh Liebe, mir wie Feuerbecher glänzen; Auch unter Tränen …
— Johann Georg Jacobi