Sprüche über Gerechtigkeit
217 Sprüche — Seite 9
Kaum ein Begriff wird so oft beschworen und so schwer eingelöst wie die Gerechtigkeit. Sie betrifft Verteilung, Urteil, Anerkennung und die tiefe menschliche Erwartung, dass Maßstäbe nicht bloß nach Macht, sondern nach Recht und Würde gesetzt werden. Darum gehört dieses Thema zu den großen moralischen Fragen jeder Gemeinschaft.
Ihre Schwierigkeit liegt darin, dass Gerechtigkeit mehr verlangt als bloße Regelanwendung. Sie braucht Gewissen, Augenmaß und den ernsthaften Willen, dem Einzelnen und dem Ganzen zugleich gerecht zu werden.
Es ist nicht not, dass man die Schafe frage, die Wolle gilt!
Man soll die Schafe scheren, aber nicht rupfen.
Ein guter Hirte schiert seine Schafe, ein übler zieht ihnen das Fell ab.
Richter sollen zwei gleiche Ohren haben.
Sieh dir nicht an, wie Diebe ihr Mahl verzehren, sondern wie sie ihre Strafe erleiden.
Etwas ist nicht recht, weil es Gesetz ist, sondern es muss Gesetz sein, weil es recht ist.
— Charles-Louis de Montesquieu
Man lese ein Buch, und lasse es auf sich einwirken, gebe sich dieser Einwirkung hin, so wird man zum richtigen Urteil darüber kommen.
— Johann Wolfgang von Goethe
Unbestechlichkeit ist nicht an Regeln gebunden.
— Albert Camus
Gerechtigkeit ist Wahrheit in Aktion.
— Joseph Joubert
Juristen sind wie Schuster, die zerren mit den Zähnen das Leder; sie die Rechte, dass sie müssen dehnen.
— Friedrich von Logau
Wer fällt ein Urteil oder kennt den Sachverhalt, bevor er beide Teile klar vernommen hat?
— Euripides
Wenn wir gerechter wären, würden wir zugeben, dass jedes Leben mehr frohe als trübe Sekunden gehabt hat.
— Carl Ludwig Schleich
Gerechtigkeit gibt jedem das Seine, maßt sich nicht Fremdes an und setzt den eigenen Vorteil zurück, wo es gilt, das Wohl des Ganzen zu wahren.
— Ambrosius
Der Gerechtigkeit kommt an sich kein Sinn zu, vielmehr ist sie nur ein im gegenseitigen Verkehr in beliebigen Erdgegenden getroffenes Übereinkommen zur Verhütung gegenseitiger Schädigung.
— Epikur
Die Erfahrung hat gelehrt, dass die Gesamtstimme des Publikums beinahe immer gerecht sei.
— Karl Maria von Weber
Kein Mensch kann einen anderen gerecht tadeln oder verdammen, denn kein Mensch kann einen anderen richtig kennen.
— Thomas Browne
Ein Advokat und ein Wagenrad wollen geschmiert sein.
Was man nicht kann ändern, das muss man lassen schlendern.
Was einem zu weit ist, ist dreien zu eng und nur zweien gerecht
Vorurteil! Das Wort ist nicht übel, wollte nur das Urteil nachkommen.
— Peter Hille