353 Sprüche — Seite 3
Kein Gedanke stellt das Leben so endgültig in Frage wie der Tod. Er markiert Grenze und Geheimnis zugleich, nimmt Gewissheiten fort und zwingt dazu, über Endlichkeit, Sinn und das Bleibende nachzudenken. Deshalb gehört dieses Thema zu den tiefsten und ältesten Gegenständen menschlicher Besinnung.
Seine Schwere liegt nicht nur im Ende selbst, sondern auch in dem, was er im Leben vorauswirft. Die Sprüche zu diesem Thema sprechen von Furcht, Würde, Abschied und Transzendenz und zeigen, wie eng Todesgedanke und Lebensdeutung miteinander verbunden sind.
Ich schliesse meine Augen in der gesegneten Gewissheit, dass ich einen Lichtstrahl auf der Erde hinterlassen habe.
— Ludwig van Beethoven
Habe täglich den Tod vor Augen; das wird dich vor kleinlichen Gedanken und vor maßlosen Begierden bewahren
— Epiktet
Die meisten Menschen kommen mit ärztlicher Unterstützung auf die Welt und verlassen sie auf dieselbe Weise.
— George Bernard Shaw
Mag schwinden das Leben, mag nahen der Tod,Wir können nicht sinken, denn Helfer ist Gott.
— Georg Friedrich Händel
Wohl bringt die Liebe uns zuletzt auch Leid, denn eines muss ja vor dem anderen sterben.
— Christian Friedrich Hebbel
Der Tod geht mich eigentlich nichts an, denn wenn er ist, bin ich nicht mehr, und so lange ich bin, ist er nicht.
— Epikur
Alt werden und einsam werden scheint dasselbe, und ganz zuletzt ist man wieder nur mit sich zusammen und macht andere durch den Tod einsam.
— Friedrich Nietzsche
Niemand ist vor seinem Ende glücklich zu preisen.
— Solon
Die Neider sterben, nimmer stirbt der Neid
— Jean-Baptiste Molière
Man lebt nicht lange genug, um aus seinen Fehlern zu lernen. Sie begleiten uns das ganze Leben hindurch; und nach allem Irren bleibt uns schließlich nur übrig, gebessert zu sterben.
— Jean de la Bruyère
Das Leben besteht aus Leid und Not, der Tod aus Frieden und Freude.
Wenn unsere letzte Stunde schlägt, wird es unsere unsagbar große Freude sein, den zu sehen, den wir in unserem Schaffen nur ahnen konnten
— Carl Friedrich Gauß
Wer nur die Welt umarmt, erfriert an ihrer Gleichgültigkeit.
— Else Pannek
Es ist viel leichter, für eine geliebte Frau zu sterben, als mit ihr zu leben.
— Lord Byron
Ist der Tod nur ein Schlaf, wie kann dich das Sterben erschrecken? Hast du es je noch gespürt, wenn du des Abends entschliefst?
— Christian Friedrich Hebbel
Wer trinkt ohne Durst, wer isst ohne Hunger, der stirbt um so junger
— Martin Luther
Irrlehren der Wissenschaft brauchen 50 Jahre, bis sie durch neue Erkenntnisse abgelöst werden, weil nicht nur die alten Professoren, sondern auch ihre Schüler aussterben müssen.
— Max Planck
Die meisten Menschen sterben an ihren Medikamenten und nicht an ihren Krankheiten
— Jean-Baptiste Molière
Der Tod versetzt uns wieder in den Zustand der Ruhe, in dem wir uns befanden, ehe wir geboren wurden. Bedauert jemand die Gestorbenen, so muß er auch die Ungeborenen bedauern.
— Seneca
Die Menschen haben vor dem Tod zuviel Achtung, gemessen an der geringen Achtung, die sie vor dem Leben haben.
— Henry de Montherlant