Sprüche über Tod
267 Sprüche — Seite 8
Kein Gedanke stellt das Leben so endgültig in Frage wie der Tod. Er markiert Grenze und Geheimnis zugleich, nimmt Gewissheiten fort und zwingt dazu, über Endlichkeit, Sinn und das Bleibende nachzudenken. Deshalb gehört dieses Thema zu den tiefsten und ältesten Gegenständen menschlicher Besinnung.
Seine Schwere liegt nicht nur im Ende selbst, sondern auch in dem, was er im Leben vorauswirft. Die Sprüche zu diesem Thema sprechen von Furcht, Würde, Abschied und Transzendenz und zeigen, wie eng Todesgedanke und Lebensdeutung miteinander verbunden sind.
Wie wird mir? Leichte Wolken heben mich, der schwere Panzer wird zum Flügelkleid. Hinauf, hinauf - die Erde flieht zurück kurz ist der Schmerz, aber ewig ist die Freude.
— Friedrich von Schiller
Um eines kleinen Bissens Fleisches willen berauben wir eine Seele des Lichtes und der Spanne von Zeit, in die sie hineingeboren wurde, sich daran zu erfreuen.
— Plutarch
Es ist besser, zwei Jahre zu früh als ein Jahr zu spät zu sterben.
Das Leben ist eine Krankheit, die ganze Welt ein Lazarett, und der Tod ist unser Arzt.
— Christian Johann Heinrich Heine
Der Tod ist vielleicht nicht das Schwerste im Leben eines Malers.
— Vincent van Gogh
Bankiers sterben nicht. Sie verlieren das Interesse am Leben.
Das Leben wird schließlich mit dem Tode bestraft.
— Wilhelm Busch
Begrenzt ist die Zeit des Lebens, doch unendlich die Erinnerung.
Wer sich vom Wolfe Rat lässt geben, dessen Schafen geht's ans Leben.
— Bernhard Freidank
Nichts ist gewiss im Leben eines Menschen - ausser, dass er es verlieren muss.
— George Meredith
Komm nun, höchstes Fest auf dem Wege zur ewigen Freiheit, Tod, leg nieder beschwerliche Ketten und Mauern unseres vergänglichen Leibes und unsrer verblendeten Seele, dass wir endlich erblicken, wa …
— Dietrich Bonhoeffer
Männer, die in Stiefeln zu sterben hoffen, verunglücken gar zu oft in Pantoffeln.
Der Mensch ist bereit, für jede Idee zu sterben, vorausgesetzt, daß ihm die Idee nicht ganz klar ist.
— Gilbert Keith Chesterton
Der Mensch erfährt, er sei auch wer er mag, ein letztes Glück und einen letzten Tag.
— Johann Wolfgang von Goethe
Wer am Tode vorübergegangen ist, lebt anders, als er früher gelebt hat.
So ist der Tod auch ein Bad nur. Aber drüben am anderen Ufer liegt uns bereitet ein neu Gewand.
— Franz Emanuel August Geibel
Wenn das Haus fertig ist, kommt der Tod.
Der freie Mensch denkt an nichts weniger als an den Tod; und seine Weisheit ist ein Nachsinnen über das Leben.
— Baruch de Spinoza
Menschen stehen und warten, das Leben bringt und geht, der Tod kommt und nimmt.
Das wähne nun keiner, dass er sich nicht entbehren ließ; Dein Tod oder meiner macht in der Welt noch keinen Riss.
— Eduard von Bauernfeld