353 Sprüche — Seite 2
Kein Gedanke stellt das Leben so endgültig in Frage wie der Tod. Er markiert Grenze und Geheimnis zugleich, nimmt Gewissheiten fort und zwingt dazu, über Endlichkeit, Sinn und das Bleibende nachzudenken. Deshalb gehört dieses Thema zu den tiefsten und ältesten Gegenständen menschlicher Besinnung.
Seine Schwere liegt nicht nur im Ende selbst, sondern auch in dem, was er im Leben vorauswirft. Die Sprüche zu diesem Thema sprechen von Furcht, Würde, Abschied und Transzendenz und zeigen, wie eng Todesgedanke und Lebensdeutung miteinander verbunden sind.
Immer enger, leise, leise ziehen sich die Lebenskreise, schwindet hin, was prahlt und prunkt, schwindet Hoffen, Hassen, Lieben und ist nichts in Sicht geblieben, als der letzte dunkle Punkt.
— Theodor Fontane
Der Mensch will wohl endlich so weit kommen wie die Blumen und die Bäume: ruhig leben und sterben zu dürfen. Zweifellos wünschen sich die meisten Menschen nichts Besseres.
— Christian Morgenstern
Ein junges Leben - im Werden noch - wird uns genommen. Aber nur kurz, und nur aus unserem Blick, denn es wird immer sein und bald schon wiederkehren.
— John Keats
Die Gleichgültigkeit ist eine Lähmung der Seele, ein vorzeitiger Tod.
— Anton Tschechow
Einsamkeit ist für den Geist, was die Diät für den Körper ist: tödlich, wenn sie zu lange dauert
— Marquis de Vauvenargues
Die Liebe, dachte ich, ist stärker als der Tod und die Schrecken des Todes. Sie allein, allein die Liebe erhält und bewegt unser Leben.
— Iwan Turgenjew
Ich schliesse meine Augen in der gesegneten Gewissheit, dass ich einen Lichtstrahl auf der Erde hinterlassen habe.
— Ludwig van Beethoven
Habe täglich den Tod vor Augen; das wird dich vor kleinlichen Gedanken und vor maßlosen Begierden bewahren
— Epiktet
Die meisten Menschen kommen mit ärztlicher Unterstützung auf die Welt und verlassen sie auf dieselbe Weise.
— George Bernard Shaw
Mag schwinden das Leben, mag nahen der Tod,Wir können nicht sinken, denn Helfer ist Gott.
— Georg Friedrich Händel
Wohl bringt die Liebe uns zuletzt auch Leid, denn eines muss ja vor dem anderen sterben.
— Christian Friedrich Hebbel
Der Tod geht mich eigentlich nichts an, denn wenn er ist, bin ich nicht mehr, und so lange ich bin, ist er nicht.
— Epikur
Die Menschen vergessen schneller den Tod ihres Vaters als den Verlust des Erbes.
— Nicolaus Machiavelli
Die Selbstsucht stirbt erst eine halbe Stunde nach unserem Tod
— Franz von Sales
Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben
— Johann Wolfgang von Goethe
Wie lange ich lebe, hängt nicht von mir ab. Ob ich aber wirklich lebe, solange ich lebe, das hängt von mir ab.
— Seneca
Man lobt im Tode manchen Mann, der Lob im Leben nie gewann
— Bernhard Freidank
Weder die Sonne noch den Tod kann man fest ins Auge fassen.
— François de la Rochefoucauld
Die Erfahrung belehrt stets, aber Nutzen bringt sie nur für den Zeitraum, den man vor sich hat. Ist es wohl in dem Augenblick, da man sterben soll, noch Zeit zu lernen, wie man hätte leben sol …
— Jean-Jacques Rousseau
Auf den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit dahin.
— Jean de La Fontaine