313 Sprüche — Seite 5
Wenn Leben erloschen ist, bleibt für die Zurückbleibenden eine Wirklichkeit, die schwer in Worte zu fassen ist. Das Totsein markiert jene endgültige Grenze, an der Bewegung, Stimme und Gegenwart enden und Erinnerung an ihre Stelle tritt. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur das Denken, sondern vor allem das Empfinden.
Seine Schwere liegt in der Unumkehrbarkeit und in der Leere, die danach zurückbleibt. Die Sprüche zu diesem Thema geben dem Blick auf das Ende des Lebendigen eine ernste Sprache und lassen spüren, wie nah Totsein und Erinnerung beieinander liegen.
Wer den Tod fürchtet, hat das Leben verloren.
— Johann Gottfried Seume
Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden Bach des Lebens.
— Friedrich Nietzsche
Wenn man sieht, was die heutige Medizin fertig bringt, fragt man sich unwillkürlich: Wie viele Etagen hat der Tod?
— Jean-Paul Sartre
Denken und Wissen sollten immer gleichen Schritt halten. Das Wissen bleibt sonst tot und unfruchtbar.
— Wilhelm von Humboldt
Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kunden nur raten, Efeu zu pflanzen.
— George Sand
Wollt ihr die Unterschiede vernichten, hütet euch, daß ihr nicht das Leben tötet.
— Leopold von Ranke
Das Leben ist wie ein Hauch, das eine Weile sichtbar ist und dann wieder verschwindet
Liegt der Grenni tot im Keller, war die Ari wieder schneller! Liegt die Ari tot daneben, war der Grenni noch am Leben.
Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande als flöge sie nach Haus .....
— Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff
Wenn dein Pferd tot ist, steig ab.
Alle versuchen, ihre Zeit totzuschlagen, aber niemand will sterben
Leben? Wohl dem, dem es spendet Arbeit, Freunde, täglich Brot. Doch das Beste, was es sendet, ist das Wissen, dass es endet, ist der Ausgang, ist der Tod.
— Theodor Fontane
Brautglocken sind der Freundschaft Sterbeglocken.
— Paul Johann Ludwig von Heyse
Die Ehe ... ist die allerdümmste soziale Selbstaufopferung, nur unsere Kinder haben einen Nutzen davon, und den Preis erfahren sie erst dann, wenn ihre Pferde die Blumen abgrasen, die auf un …
— Honoré de Balzac
Den nächsten Krieg gewinnt der Tod, da hilft kein Gott uns aus der Not. Drum laß die Rüstung verrosten im Westen und im Osten.
Ein Dramatiker stirbt heute nicht einmal, sondern mehrmals, umgebracht von den Regisseuren seiner Stücke.
— August Bebel
Der Humor ist das bewusste Einatmen des Lebens, das nach dem Verhauchen nichts mehr fragt.
— Emil Gött
Obwohl jeder das Schicksal hat, einmal zu sterben, lege deinen Kopf nicht in den Rachen des Löwen.
— Saadi Moscharrefoddin
Denn Liebe, sagt man, ist nur Hoffen und wird, gewährt, vom Tod betroffen.
— Carl Leberecht Immermann
Hass ist so ausdauernd und so hartnäckig, dass eine Versöhnung auf dem Sterbelager eines Kranken das sicherste Zeichen des Todes ist.
— Jean de la Bruyère