Sprüche über Erinnerung
465 Sprüche — Seite 9
Was vergangen ist, verschwindet nicht einfach, sondern lebt in der Erinnerung in neuer Form weiter. Sie bewahrt Stimmen, Gesichter, Schmerzen und Glücksmomente und verbindet damit Gegenwart und Vergangenheit auf eine Weise, die kein Besitz ersetzen kann. Deshalb gehört dieses Thema zu den innigsten Bereichen menschlichen Erlebens.
In stillen Augenblicken zeigt sich, wie sehr Erinnerung trösten, schmerzen und Identität stiften kann. Die Sprüche zu diesem Thema fassen jene innere Spurensammlung in Worte, durch die Menschen und Zeiten nicht ganz verloren gehen.
Wer eine Witwe ins Bett kriegt, kriegt den toten Mann ins Haus.
Das Heisse ist vergessen, hat es erst einmal die Kehle passiert.
Von dem, was man erworben, ist das Beste die Erinnerung, wie man's erworben
— August von Kotzebue
Du kamst, du gingst mit leiser Spur, ein flücht'ger Gast im Erdenreich; Woher? Wohin? Wir wissen nur: Aus Gottes Hand in Gottes Hand.
— Ludwig Uhland
Alles, was uns begegnet, lässt Spuren zurück. Alles trägt unmerklich zu unserer Bildung bei.
— Johann Wolfgang von Goethe
Es ist sicher eine schöne Sache, aus gutem Haus zu sein. Aber der Verdienst gebührt den Vorfahren.
— Plutarch
Vergiss nur nie bei deinem Streben, was deine Eltern dir gegeben, behalt sie lieb ein Leben lang, das ist für sie der schönste Dank!
Wer seine Erfahrungen systematisch miteinander verbindet, wird auch das zuverlässigste Gedächtnis besitzen.
— William James
Sprich nicht voller Kummer von meinem Weggehen, sondern schließe deine Augen und du wirst mich unter euch sehen, jetzt und immer.
Unter Buchen, unter Linden, wirst du einst ein Blümlein finden, welches leise zu dir spricht: "Lebe wohl! vergiss mein nicht".
Frühere Zeiten hält man immer für die besseren.
— Achim von Arnim
Das Leben der Gefühlvollen hat drei Epochen: Erwartung, Vergessen, Erinnerung.
— Nikolai Michailowitsch Karamsin
Jedes Leben hinterlässt Spuren, die sich tief eingraben in die Seele derer, die bereit sind, die Spuren zu sehen und sie lesen zu lernen!
Der Eskimo in Kanada ist gleich mit seiner Nase da, um freundlich sich mit dir zu reiben. So soll auch unsere Freundschaft bleiben: Hab stets die Nase hochgestellt, und reib dich mit der ganzen W …
Dein gedenk ich, still erfreut, selbsten in der Einsamkeit; ja, im dicksten Publikum schwebt mein Geist um Dich herum.
— Wilhelm Busch
Zu verlangen, dass einer alles, was er je gelesen, behalten hätte, ist wie verlangen, dass er alles, was er je gegessen hat, noch in sich trüge
— Arthur Schopenhauer
Wie schade, dass so wenig Raum ist zwischen der Zeit, wo man zu jung, und der, wo man zu alt ist!
— Charles-Louis de Montesquieu
Der Winter geht nicht, ohne einen Blick zurück zu werfen.
Kein größerer Schmerz, als sich erinnern glücklich heiterer Zeit im Unglück
— Dante Alighieri
Jemand an die Gefälligkeiten zu erinnern, die man ihm getan hat, kommt einem Vorwurf gleich.
— Demosthenes