470 Sprüche — Seite 2
Was vergangen ist, verschwindet nicht einfach, sondern lebt in der Erinnerung in neuer Form weiter. Sie bewahrt Stimmen, Gesichter, Schmerzen und Glücksmomente und verbindet damit Gegenwart und Vergangenheit auf eine Weise, die kein Besitz ersetzen kann. Deshalb gehört dieses Thema zu den innigsten Bereichen menschlichen Erlebens.
In stillen Augenblicken zeigt sich, wie sehr Erinnerung trösten, schmerzen und Identität stiften kann. Die Sprüche zu diesem Thema fassen jene innere Spurensammlung in Worte, durch die Menschen und Zeiten nicht ganz verloren gehen.
Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.
Wenn über eine dumme Sache nun endlich Gras gewachsen ist, kommt sicher irgendein Kamel, das alles wieder runterfrißt.
Zeitungen und Romane lesen ist so etwas wie Tabak rauchen - ein Mittel, um zu vergessen.
— Leo Tolstoi
Wenn auch die Menschen sterblich sind, die ich liebe, es ist doch das Unsterbliche, was ich an Ihnen vor allem liebte.
— Franz von Sales
Vergiss nicht, unter Menschen lebend, was du in der Einsamkeit erkannt hast. Und erwäge in der Einsamkeit, was du im Verkehr mit den Menschen erkannt hast.
— Leo Tolstoi
Geh nicht nur die glatten Straßen. Geh Wege, die noch niemand ging, damit du Spuren hinterlässt und nicht nur Staub.
— Antoine de Saint-Exupéry
Wenn Du an mich denkst, erinnere Dich an die Stunde, in welcher Du mich am liebsten hattest
— Rainer Maria Rilke
Die Summe unseres Lebens sind die Stunden, in denen wir liebten.
— Wilhelm Busch
Meist belehrt erst der Verlust über den Wert der Dinge.
— Arthur Schopenhauer
Wenn du denkst, die ganze Welt sei schlecht, dann vergiss nicht, dass Leute wie du darin leben.
— Mahatma Gandhi
Ein Kopf ohne Gedächtnis ist eine Festung ohne Besatzung.
— Napoleon
Vergeude keine frischen Tränen für alten Kummer.
— Euripides
Erinnere die Mitmenschen an ihren Sorgen, dann wird dir leicht ums Herz.
— Jeremias Gotthelf
Alte haben gewöhnlich vergessen, dass sie jung gewesen sind, oder sie vergessen, dass sie alt sind, und Junge begreifen nie, dass sie alt werden können.
— Kurt Tucholsky
Jemanden vergessen wollen heißt, an ihn denken.
— Jean de la Bruyère
Alte Lieben und glimmendes Holz flammen jederzeit wieder auf.
Viele Denkmäler werden aus den Steinen errichtet, die man den Toten zu Lebzeiten nachgeworfen hat.
In früheren Zeiten bediente man sich der Folter. Heutzutage bedient man sich der Presse. Das ist gewiss ein Fortschritt.
— Oscar Wilde
In den Herzen derer zu leben, die wir zurücklassen, heißt nicht zu sterben.
Das Leben besteht aus den Tagen, an die man sich erinnert.