1267 Sprüche — Seite 20
Kaum ein Wort klingt heller und entzieht sich zugleich so beharrlich jeder festen Definition wie das Glück. Für manche liegt es in einem flüchtigen Augenblick, für andere in tiefer Zufriedenheit oder im stillen Gefühl, am richtigen Ort zu sein. Eben diese Vieldeutigkeit macht seinen Zauber und seine Schwierigkeit aus.
Wer genauer hinsieht, entdeckt darin kein bloßes Geschenk des Zufalls, sondern auch eine Frage der Wahrnehmung und inneren Haltung. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen die vielen Gesichter des Glücks und machen sichtbar, warum es oft dort aufscheint, wo Erwartung, Dankbarkeit und Gegenwart ineinanderfinden.
Die Natur gibt einem Menschen seine Fähigkeiten, und das Glück bringt sie zur Wirkung.
— François de la Rochefoucauld
Tadelt man, dass wir uns lieben, dürfen wir uns nicht betrüben: Tadel ist von keiner Kraft. Andern Dingen mag das gelten, kein Missbilligen, kein Schelten, macht die Liebe tadelhaft.
— Johann Wolfgang von Goethe
Sechzig, das ist zweimal dreißig, man schaut zurück, man blickt voraus, und auf dreißig reimt sich fleißig, so bist Du ja tagein, tagaus. Geburtstag, das heißt freudig leben, der Gegenwart den Vo …
Wem das Glück die Hand bietet, dem schlägt's gern ein Bein unter
Allzeit gewinnen macht verdächtig, allzeit verlieren macht verächtlich
Lieber will ich unter Qualen bluten, als glücklich sein aus Dummheit.
— Christian Dietrich Grabbe
Glück und Gras, wie bald wächst das!
Ehre und Nutzen liegen nicht immer in dem selben Sack.
So wie der Glanz der Sterne, so blühe stets dein Glück, denk auch in weiter Ferne recht oft an mich zurück.
Der glücklichste Mensch ist derjenige, der von der Natur die Verehrung lernt.
— Ralph Waldo Emerson
Das Glück ist blind, heißt es, aber diejenigen, die ihm hinterherlaufen, sind auch blind. So ist Fortuna denn die Blinde unter den Blinden.
— Christian Friedrich Hebbel
Wer kein Unglück gehabt hat, der weiß von keinem Glück zu sagen.
Wir halten oft manchen Menschen wegen seiner Mängel und Fehler für unglücklich, ich aber sage, dass derjenige der unglücklichste Mensch ist, welchem kein Mensch gefällt
— Abraham a Sancta Clara
Im Augenblick kann sich ergeben, was man nie gedacht im Leben.
Hast du Glück in der Faust, so halte sie fest zu, denn es ist sehr schlüpfrig und lässt sich nicht gern wider Willen halten.
— Julius Wilhelm Zincgref
Wer Glück liebt, muss auch sein Unglück willkommen heißen. Das ganze Leben ist nicht der Sorge wert.
— Ludwig Tieck
Dreie leben friedlich, wenn zweie nicht zu Hause sind
Ein Herz muß dann und wann an seinem Glück sich laben, es muß der Liebe viel und etwas Frohsinn haben.
Wenn man einmal sechzig ist, dann soll man sich verschnaufen, auch wenn man größter Optimist, man kann nicht alles mehr sich kaufen. Was man einstens nicht konnt’ wissen, lässt einem heute keine Ruh …
Frage nicht, was and're machen, acht' auf deine eignen Sachen.