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Sprüche über Vergänglichkeit

474 Sprüche — Seite 11

Alles, was den Menschen umgibt und bewegt, trägt den Zug des Vorübergehenden in sich. Schönheit vergeht, Nähe verändert sich, Stunden entschwinden, und gerade in dieser Endlichkeit erhält das Leben seine Schärfe und seinen Ernst. Deshalb gehört Vergänglichkeit zu den stillen Grundthemen jeder tiefen Lebensbetrachtung.

Aus ihr erwächst nicht nur Wehmut, sondern auch ein besonderer Sinn für Gegenwart und Wertschätzung. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie eng Verlust und Erkenntnis verbunden sind und warum das Bewusstsein des Endlichen viele Dinge nicht kleiner, sondern kostbarer erscheinen lässt.

  1. Wir müssen nicht klagen, dass alles vergänglich sei. Das Vergänglichste, wenn es wahrhaft berührt, weckt in uns ein Unvergängliches.

    Christian Friedrich Hebbel

  2. Die Zeit vergeht und wartet auf niemanden.

  3. Das Leben ist halb vorüber, ehe wir wissen, was es ist.

  4. Wenn etwas nützlich wird, hört es auf schön zu sein.

    Théophile Gautier

  5. Große Dinge zerfallen in kleine. Kleine zerbröseln in Staub.

  6. Wenn die Freude in der Stube ist, lauert die Sorge im Flur.

  7. Es gibt Augenblicke, in denen gelingt uns alles. Kein Grund zu erschrecken: Das geht vorüber.

    Jules Renard

  8. Wir sind Gäste des Daseins, Reisende zwischen zwei Stationen. Wir müssen unsere Sicherheit in uns selbst suchen.

    Boris Pasternak

  9. Das Alter will die Menschen vom Leben entwöhnen wie die Amme das Kind von der Brust: Durch allmähliches Entziehen.

    Christian Friedrich Wilhelm Jacobs

  10. Wir sterben des Todes und sind wie Wasser, das auf die Erde gegossen wird und das nicht wieder gesammelt werden kann; aber Gott will nicht das Leben wegnehmen.

  11. Gute Vorsätze sind grüne Früchte, die abfallen, ehe sie reif sind.

    Johann Nepomuk Nestroy

  12. Häuslichkeit ist der Schutzengel des Ehe und Familienstandes, Zerstreuung aber die Todfeindin, daher auch Häuslichkeit, Ehe und Familienglück immer seltener werden.

    Karl Julius Weber

  13. Hassen ist ein positiver Lebensstrom: das Verlangen nach Vernichtung, Angriff, der vom Kern ausgeht.

    Oswald Spengler

  14. Es wär´ so schön gewesen, es hat nicht sollen sein

    Joseph Victor von Scheffel

  15. Es gibt ein allgemein gültiges Gesetz, das Entstehen und Vergehen befiehlt.

    Publius Syrus

  16. Der Gedanke an die Vergänglichkeit aller irdischen Dinge ist ein Quell unendlichen Leids – und ein Quell unendlichen Trostes.

    Marie von Ebner-Eschenbach

  17. Unser Neid dauert stets länger als das Glück derer, die wir beneiden

    François de la Rochefoucauld

  18. Was hinter uns liegt und was vor uns liegt, ist relativ unbedeutend, verglichen mit dem, was in uns liegt.

    Oliver Wendell Holmes

  19. Nie stille steht die Zeit, der Augenblick entschwebt, und den du nicht benutzt, den hast du nicht gelebt

    Friedrich Rückert

  20. Jeden Morgen sich ins Sterben hineindenken, das lehrt uns, den neuen Tag richtig schätzen - nicht zu gering, weil er ein köstliches Geschenk ist; nicht zu hoch, weil er heute noch vergeht.

    Peter Rosegger