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Sprüche über Vergänglichkeit

474 Sprüche — Seite 23

Alles, was den Menschen umgibt und bewegt, trägt den Zug des Vorübergehenden in sich. Schönheit vergeht, Nähe verändert sich, Stunden entschwinden, und gerade in dieser Endlichkeit erhält das Leben seine Schärfe und seinen Ernst. Deshalb gehört Vergänglichkeit zu den stillen Grundthemen jeder tiefen Lebensbetrachtung.

Aus ihr erwächst nicht nur Wehmut, sondern auch ein besonderer Sinn für Gegenwart und Wertschätzung. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie eng Verlust und Erkenntnis verbunden sind und warum das Bewusstsein des Endlichen viele Dinge nicht kleiner, sondern kostbarer erscheinen lässt.

  1. Es gibt dumme Gedanken, die man nicht eher los wird, als bis man sie ausgeführt hat

    Otto Weiss

  2. Man badet zweimal nicht im selben Bach, erwacht nicht zweimal zu demselben Leben.

    Edward Young

  3. Wir bemerken die Zeit nur aus ihrem Verluste.

    Edward Young

  4. Eine Seele ohne Gedanken muss, wie ein Gebäude ohne Einwohner, bald in Verfall geraten.

    Edward Young

  5. Was nicht auf das Gesetz gegründet war, wird auch, vom Gesetz nicht geschützt, zugrunde gehen.

    Ferdinand Ebner

  6. Nichtstun ist die Weisheit derjenigen, die den Untergang von Narren miterlebt haben.

    George Meredith

  7. Die Zivilisation ist nichts anderes als ein Farbanstrich, der vom nächsten Regen fortgewaschen wird.

    Auguste Rodin

  8. Der Mensch sagt: Die Zeit vergeht. Die Zeit sagt: Der Mensch vergeht.

  9. Des Mannes Witz zu Ende geht, wenn er in großen Zorn gerät.

    Bernhard Freidank

  10. Auf Erden nichts geschaffen ist, was hat Bestand für lange Frist.

    Bernhard Freidank

  11. Glück ist recht wie ein Ball; Wer steiget, soll fürchten den Fall.

    Bernhard Freidank

  12. Gar oft ist ohne Recht zerronnen, was ohne Recht man hat gewonnen.

    Bernhard Freidank

  13. Unsere größte Not liegt im inneren Versiegen der Lebensquellen, und kein Mittel von draußen her kann diese Not erfassen und lindern.

    Sebastian Faber

  14. Ehe sie den Wert des Lebens erkannt, haben die meisten es schon halb durcheilt.

    Theodor Toeche-Mittler

  15. Das Leben zehrt den Tod auf, und nicht der Tod das Leben.

    Johann Jakob Wilhelm Heinse

  16. Seine Individualität wahren muss man immer, denn was sich nicht durch immer neue Selbsttätigkeit erhält, löst sich auf nach dem allgemeinen Gesetz des Werdens und Vergehens.

    Fanny Lewald

  17. Es gibt für den Sterblichen kein Zurück; auch nicht eine Minute kehrt in gleicher Weise wieder.

    Sophie Alberti

  18. Verpasste Gelegenheiten kommen nicht wieder. Aber sie lehren uns, neue wahrzunehmen.

    Henriette Wilhelmine Hanke

  19. Altersproblem: Die Zeit nimmt ab und die Langsamkeit zu.

    Henriette Wilhelmine Hanke

  20. Das, wofür du keinen Sinn hast, geht für dich verloren, wie die Farbenwelt dem Blinden.

    Karoline Friederike Louise M. von Günderrode