493 Sprüche — Seite 4
Alles, was den Menschen umgibt und bewegt, trägt den Zug des Vorübergehenden in sich. Schönheit vergeht, Nähe verändert sich, Stunden entschwinden, und gerade in dieser Endlichkeit erhält das Leben seine Schärfe und seinen Ernst. Deshalb gehört Vergänglichkeit zu den stillen Grundthemen jeder tiefen Lebensbetrachtung.
Aus ihr erwächst nicht nur Wehmut, sondern auch ein besonderer Sinn für Gegenwart und Wertschätzung. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie eng Verlust und Erkenntnis verbunden sind und warum das Bewusstsein des Endlichen viele Dinge nicht kleiner, sondern kostbarer erscheinen lässt.
Das Schöne, das sterblich ist, vergeht, aber nicht das Kunstwerk.
— Leonardo da Vinci
Es gibt Diebe, die nicht bestraft werden und einem doch das kostbarste stehlen: die Zeit.
— Napoleon
Es gibt nichts, das so absolut ist wie Zeit und nichts, das so relativ ist wie ihre Dauer.
— Josef Bordat
Man soll dort bleiben,wo man sich glücklich fühlt. Glück ist ein transportempfindliches Möbelstück.
— William Somerset Maugham
Liebe ist ein Glas, das zerbricht, wenn man es zu unsicher oder zu fest anfasst.
Man ist nur einmal jung. Aber wie lange dieses eine Mal dauert, das ist die Frage.
Alles zerfällt im Augenblick, wenn man nicht ein Dasein erschaffen hat, das über dem Sarge noch fortdauert. Um wen bei seinem Alter Söhne, Enkel und Urenkel stehen, der wird oft tausend Jahre alt.
— Adalbert Stifter
Alles ist eine Modesache: Gottesfurcht ist eine Modesache und die Liebe und die Krinoline und ein Ring in der Nase
— Sören Kierkegaard
Das Komitee ist eine Sackgasse, in die Ideen hineingelockt und dann in Ruhe erdrosselt werden.
— Abraham Lincoln
Glück tut auch weh, nicht nur der Schmerz, weil wir, wenn wir darin stehen, wissen, dass es vergeht.
— Emanuel von Bodman
Des Menschen Leben ist ein kurzes Blühen und ein langes Welken.
— Ludwig Uhland
Der Mensch steht heute vor der Alternative: Untergang des Menschen oder Wandlung des Menschen.
— Karl Theodor Jaspers
Glück ist ein illusorischer Zustand, ein sich Anklammern an Vergängliches
— John Knittel
Man muss sich beeilen, wenn man etwas sehen will, alles verschwindet
— Paul Cezanne
Unglückliches Geschick der Menschen! Kaum ist der Geist zu seiner Reife gelangt, beginnt der Körper dahinzuwelken.
— Charles-Louis de Montesquieu
Wer den schlechtesten Gebrauch von seiner Zeit macht, jammert am meisten, dass sie so knapp ist.
— Jean de la Bruyère
Die Natur scheint es weise eingerichtet zu haben, dass die Torheiten der Menschen schnell vorübergehen; doch die Bücher verewigen diese.
— Michel de Montaigne
Geduld ist die Stütze der Schwäche, Ungeduld der Ruin der Stärke.
— Charles Caleb Colton
Wer darauf wartet, für wichtige Dinge Zeit zu haben, dem läuft sie davon.
— Else Pannek
Du siehst die leuchtende Sternschnuppe nur dann, wenn sie vergeht.
— Christian Friedrich Hebbel