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Sprüche über Vergänglichkeit

474 Sprüche — Seite 4

Alles, was den Menschen umgibt und bewegt, trägt den Zug des Vorübergehenden in sich. Schönheit vergeht, Nähe verändert sich, Stunden entschwinden, und gerade in dieser Endlichkeit erhält das Leben seine Schärfe und seinen Ernst. Deshalb gehört Vergänglichkeit zu den stillen Grundthemen jeder tiefen Lebensbetrachtung.

Aus ihr erwächst nicht nur Wehmut, sondern auch ein besonderer Sinn für Gegenwart und Wertschätzung. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie eng Verlust und Erkenntnis verbunden sind und warum das Bewusstsein des Endlichen viele Dinge nicht kleiner, sondern kostbarer erscheinen lässt.

  1. Du siehst die leuchtende Sternschnuppe nur dann, wenn sie vergeht.

    Christian Friedrich Hebbel

  2. Es gibt nichts, das so absolut ist wie Zeit und nichts, das so relativ ist wie ihre Dauer.

    Josef Bordat

  3. Unglückliches Geschick der Menschen! Kaum ist der Geist zu seiner Reife gelangt, beginnt der Körper dahinzuwelken.

    Charles-Louis de Montesquieu

  4. Glück tut auch weh, nicht nur der Schmerz, weil wir, wenn wir darin stehen, wissen, dass es vergeht.

    Emanuel von Bodman

  5. Es gibt Diebe, die nicht bestraft werden und einem doch das kostbarste stehlen: die Zeit.

    Napoleon

  6. Die Sonne sank, bevor es Abend wurde.

  7. Das ganze Leben wird dem Glücklichen zu kurz. Dem Leidenden nimmt eine Nacht kein Ende.

    Max Jacob

  8. Nimm die Zahl deiner Jahre mit Freundlichkeit an und gib deine Jugend mit Anmut zurück, wenn sie endet.

  9. Man sagt "in jungen Jahren" und "in alten Tagen". Weil die Jugend Jahre und das Alter nur noch Tage vor sich hat.

    Marie von Ebner-Eschenbach

  10. Der Pfingsttag kennt keinen Abend, denn seine Sonne, die Liebe, geht nie unter.

    Theodor Fontane

  11. Staatsmänner und schöne Frauen haben kein Gefühl für ihren allmählichen Verfall.

    Philip Chesterfield

  12. Unrecht ist gegraben in Metall. Wohltat in die Flut geschrieben.

  13. Die Liebe kann, wie das Feuer, nicht ohne ständigen Antrieb bestehen; sie hört auf zu leben, sobald sie aufhört zu hoffen oder zu fürchten.

    François de la Rochefoucauld

  14. Wem man alles verziehen hat, mit dem ist man fertig.

    Sigmund Freud

  15. Wer die Menschen ruinieren will, braucht ihnen nur alles zu erlauben.

    Napoleon

  16. Wage es anzufangen! Wer das rechte Leben stets herausschiebt, gleicht dem Landmann, der am Fluss darauf wartet, dass das Wasser ausläuft, bevor er ihn überquert.

    Horaz

  17. Der größte Verlust für das Leben ist das Hinausschieben.

    Seneca

  18. Ein Freund ist schwer zu finden und leicht zu verlieren.

  19. Tradition heißt nicht, Asche aufzubewahren, sondern die Flamme am Brennen zu halten.

    Jean Jaurès

  20. Freundschaft ist wie eine Spur, die im Sand verschwindet, wenn man sie nicht beständig erneuert.