493 Sprüche — Seite 7
Alles, was den Menschen umgibt und bewegt, trägt den Zug des Vorübergehenden in sich. Schönheit vergeht, Nähe verändert sich, Stunden entschwinden, und gerade in dieser Endlichkeit erhält das Leben seine Schärfe und seinen Ernst. Deshalb gehört Vergänglichkeit zu den stillen Grundthemen jeder tiefen Lebensbetrachtung.
Aus ihr erwächst nicht nur Wehmut, sondern auch ein besonderer Sinn für Gegenwart und Wertschätzung. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie eng Verlust und Erkenntnis verbunden sind und warum das Bewusstsein des Endlichen viele Dinge nicht kleiner, sondern kostbarer erscheinen lässt.
Die Idee ist eine Seifenblase: ein Sandkorn Wahrheit läßt sie platzen.
— Carl Ludwig Schleich
Mit den ersten Bäumen, die gefällt werden, beginnt die Kultur. Mit den letzten Bäumen, die gefällt werden, endet sie.
Wenn der Mensch für den Gewinn auf der Strecke bleibt, bleibt es der Gewinn später auch.
— Else Pannek
Wer die Kapitalisten vernichten will, muss ihre Währung zerstören.
— Wladimir Iljitsch Lenin
Wie vergänglich ist doch der Mensch auf dieser Erde, ein Baum überdauert ihn, eine Steinstufe wird hundertmal älter, als der Menschenfuß, der sie tritt.
— Paul Keller
Von des Lebens Gütern allen ist der Ruhm das höchste doch, wenn der Leib in Staub zerfallen, lebt der große Name noch.
— Friedrich von Schiller
Länder und Geschlechter verjüngen sich – aber der Frühling des menschlichen Glückes blüht nur einmal. Der Rest ist Asche!
— Ernst Friedr. Ludwig Adolf Eckstein
Auf der Höhe des Lebens erblickt der Mensch sehr natürlich auch das Ende des Seins. Wer das Beste und Schönste genießt, fühlt eben in dem Augenblick, dass dieser nicht zum zweiten Mal wiederkehren kan …
— Bogumil Goltz
Alles, was war, ist nicht mehr. Alles, was sein wird, ist noch nicht. Das ist unser Unglück.
— Alfred de Musset
Weisst du, was in dieser Welt mir am meisten wohl gefällt? Dass die Zeit sich selbst verzehrt, und die Welt nicht ewig währt.
— Friedrich von Logau
Es gibt keine noch so schöne Rose, die nicht zur Hagebutte wird.
Was glänzt, ist für den Augenblick geboren.
— Johann Wolfgang von Goethe
Die Eifersucht stirbt viel später als die Liebe.
— Herbert George Wells
Das Jahrhundert ist vorgerückt; jeder einzelne aber fängt doch von vorne an.
— Johann Wolfgang von Goethe
Setzt dem stolzen Manne Gleichgültigkeit entgegen, und ihr nehmt seiner Macht den Stachel!
— Friedrich Maximilian von Klinger
Jede Mode kommt aus der Mode.
Denn Liebe, sagt man, ist nur Hoffen und wird, gewährt, vom Tod betroffen.
— Carl Leberecht Immermann
Jugend ist die Zeit des Lebensgenusses, die Triumphe des Mannesalters und der Reichtum vorgerückter Jahre bieten keinen Ersatz für eine in genußloser Anstrengung vergeudete Jugend.
— Johann Nepomuk Nestroy
Eine Spanne Zeit kann nicht mit einer Spanne Gold gekauft werden.
Was auch das Meer verschlang, die Zeit verschlang das Weh, ewig bleibt die See.
— Gorch Fock