Sprüche über Tugend
368 Sprüche — Seite 18
Was einen Menschen innerlich ehrt, erschöpft sich nicht in Talent, Erfolg oder Ansehen. Tugend bezeichnet jene geformte Haltung, in der sich Charakter, Maß und sittliche Verlässlichkeit zeigen. Deshalb wirkt dieses Thema zwar alt, berührt aber bis heute die Frage, woran wahre menschliche Größe zu erkennen ist.
Ihr Kern liegt nicht in äußerer Strenge oder Selbstgeißelung, sondern in der beständigen, oft stillen Übung des Guten – besonders dort, wo kein Beifall wartet. Eine tugendhafte Haltung zeigt sich am deutlichsten in kleinen, unbemerkten Entscheidungen und nicht erst auf der großen Bühne.
Durch Gewalt läßt sich niemand für die Tugend begeistern.
— Rahel Varnhagen von Ense
Reine Liebenswürdigkeit und echter guter Wille sind die höchsten menschlichen Eigenschaften, gegen welche alles tatkräftige Heldentum mit seinem Glanz und Ruhm zurücktritt.
— Rahel Varnhagen von Ense
Immer Gerechtigkeit für andere: Mut für uns selbst. Das sind zwei Tugenden, worin alle andern bestehen.
— Rahel Varnhagen von Ense
An sich arbeiten; klar machen, was uns verwirrt und drückt, und wären es die größten Schmerzen – heißt gut sein.
— Rahel Varnhagen von Ense
Was einzig die Geschicke unterscheidet, ist, ob die Seele heldenmütig ist oder nicht.
— Malwida von Meysenbug
Rechtschaffenheit wird (von allen) gelobt und stirbt doch vor Kälte
— Juvenal
Adel liegt einzig und allein in der Tugend.
— Juvenal
Die Dankbarkeit ist vor allen anderen Tugenden am meisten zu loben.
— Giovanni Boccaccio
Dankbarkeit ist die zarte Pflanze, Dank ihre edle Frucht.
— Graf Karl Christian Ernst von Bentzel-Sternau
Es gibt keine materielle Macht, welche den sittlichen Mächten über den Kopf wachsen könnte, ohne den Untergang ihrer selbst vorzubereiten.
— August Pauly
Würde ist ein goldener Sattel, die jedem Esel auferlegt werden kann.
— August Pauly
Unendlich ist die Welt und dennoch verschwindet ihre Unendlichkeit gegenüber dem Gehalt eines Kleinsten, wie es ein edler Mensch ist, über dessen Gewinn oder Verlust wir alle Sterne vergessen.
— August Pauly
Es gibt viele Leute in der Welt, aber wenig Menschen.
— August Pauly
Wo Herzensgüt' und Weisheit sich verbinden, da wird die Tugend festen Boden finden.
— Heinrich Martin
Tugend schärft nur ihre Kraft, wenn sie schweigend schafft.
— Heinrich Martin
Des regen Geistes unermüdlich Streben ist: über Irdisches sich zu erheben.
— Heinrich Martin
Die Not ist oft der Henker der Tugend. Öfter jedoch wird sie durch Üppigkeit und Reichtum zu Grunde gerichtet.
— Heinrich Martin
Männer mit großem reichen Innern können nie anders als äußerst einfach, ohne Kunst und Prunk auftreten, weil sie genau ihren und des nächsten Wert erkennen.
— Heinrich Martin
Die Dankbarkeit ist die Tugend der Nachwelt.
— Kuno Fischer
Jede Fröhlichkeit, jede Liebe, jede Zuneigung veredelt uns, ist selber Tugend, jedes Gefühl, wovon Hass die Wurzel ist, verschlechtert und erniedigt uns.
— Wilhelm Heinrich Wackenroder