Sprüche über Tugend
368 Sprüche — Seite 8
Was einen Menschen innerlich ehrt, erschöpft sich nicht in Talent, Erfolg oder Ansehen. Tugend bezeichnet jene geformte Haltung, in der sich Charakter, Maß und sittliche Verlässlichkeit zeigen. Deshalb wirkt dieses Thema zwar alt, berührt aber bis heute die Frage, woran wahre menschliche Größe zu erkennen ist.
Ihr Kern liegt nicht in äußerer Strenge oder Selbstgeißelung, sondern in der beständigen, oft stillen Übung des Guten – besonders dort, wo kein Beifall wartet. Eine tugendhafte Haltung zeigt sich am deutlichsten in kleinen, unbemerkten Entscheidungen und nicht erst auf der großen Bühne.
"Die Tugend in die Mitte", sagte der Teufel und setzte sich zwischen zwei Juristen.
Der Mensch soll nicht tugendhaft, nur natürlich sein, so wird die Tugend von selbst kommen.
— Gottfried Keller
Wer nicht Gott, sondern den Menschen gefallen will, dessen Tugend leidet an Knochenfraß und geht unter.
— Johann Geiler von Kayserberg
Ein ehrlicher Mensch ist in Gottes Augen für die menschliche Gesellschaft wertvoller als alle gekrönten Raufbolde, die je gelebt haben.
— Thomas Paine
Eifersüchtig ist jede Tugend auf die andre, und ein furchtbares Ding ist Eifersucht. Auch Tugenden können an der Eifersucht zu Grunde gehen.
— Friedrich Nietzsche
Ordnung führt zu allen Tugenden. Was aber führt zur Ordnung?
— Georg Christoph Lichtenberg
Tugend ist zu Energie gewordene Vernunft.
— Friedrich von Schlegel
Wieviele rühmen sich der Tugenden und Gaben, die sich doch nicht erhalten haben.
— Friedrich von Hagedorn
Was gute Gesellschaft genannt wird, ist meistens nur ein Mosaik geschliffener Karikaturen.
— Friedrich von Schlegel
Es ist schlimm um eine Nation bestellt, in der die Jugend konservativer ist als das Alter
— Heinrich von Treitschke
Takt und Würde lehrt das eigene Herz, nicht der Tanzmeister
— Fjodor M. Dostojewski
Der Charakter ist die Quelle des Lebens, aus der die einzelnen Handlungen fließen.
— Zenon von Kition
Es liegt wenig daran, wie man geboren werde; aber es ist viel daran gelegen, wie man sterbe.
— Christina I. von Schweden
Nicht mit Worten wirkt man auf den anderen, sondern durch sein Wesen.
— Romain Rolland
Der edle Mensch hilft anderen, das Gute in ihnen zur Reife zu bringen, nicht das Schlechte.
Die Tugend des freien Menschen zeigt sich ebenso groß im Vermeiden wie im Überwinden von Gefahren.
— Baruch de Spinoza
Der Anfang jeder Tugend ist Rat und Überlegung, ihr Ende und ihr höchstes Maß Beständigkeit
— Demosthenes
Gute Manieren bestehen aus lauter kleinen Opfern.
— Ralph Waldo Emerson
Ein guter Mensch gibt gerne acht, ob auch der andre was Böses macht; und strebt durch häufige Belehrung nach seiner Bess'rung und Bekehrung.
— Wilhelm Busch
Das Böse ist das, was mehr Nachteile als Vorteile und das Gute, was mehr Vorteile als Nachteile hat
— Denis Diderot