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Sprüche über Charakter

487 Sprüche — Seite 23

Woran ein Mensch im Innersten zu erkennen ist, offenbart sich selten in glatten Worten, sondern in Haltung, Verhalten und Beständigkeit. Charakter meint jene innere Form, die Entscheidungen prägt und auch dort trägt, wo Vorteil, Angst oder Druck anderes nahelegen. Darum zählt dieses Thema zu den ernstesten Fragen des Menschlichen.

Seine Bewährung geschieht vor allem in Grenzsituationen, nicht im bequemen Einverständnis mit sich selbst. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie eng Mut, Wahrhaftigkeit und Selbstbeherrschung zusammengehören und warum guter Charakter erst dort sichtbar wird, wo etwas auf dem Spiel steht.

  1. Nichts zeugt von größerer Bildung, als grobes Schelten ruhig zu ertragen. Wenn der Gescholtene gar nicht so tut, als ob er gescholten wird, dann ist der Scheltende der Gescholtene

    Philemon

  2. Die ganze Welt liebt einen guten Verlierer

    Kin Hubbard

  3. Die Dankbarkeit ist vor allen anderen Tugenden am meisten zu loben.

    Giovanni Boccaccio

  4. Einfache Dankbarkeit, ohne eine Spur von Liebe, ist die einzige Gegengabe, die ein edles Gemüt für frühere Wohltaten erweisen kann.

    Oliver Goldsmith

  5. Die guten und die schlechten, die Fähigen und die Unfähigen sind der Spiegel, in welchem wir uns im Laufe eines langen Lebens langsam kennenlernen.

    August Pauly

  6. Äusserlicher Adel braucht Gesellschaft, um etwas vorzustellen, innerer braucht Einsamkeit.

    August Pauly

  7. Es gibt eine Sorte von Ignoranten, welche einem das Übergewicht der Unwissenheit fühlen lassen.

    August Pauly

  8. Was sind wir, wenn all das, was wir zu sein glauben, was uns schwer und tastbar und wirklich macht, nur geliehene Bausteine sind, aus denen nach uns andere wieder aufgebaut werden können?

    August Pauly

  9. Unendlich ist die Welt und dennoch verschwindet ihre Unendlichkeit gegenüber dem Gehalt eines Kleinsten, wie es ein edler Mensch ist, über dessen Gewinn oder Verlust wir alle Sterne vergessen.

    August Pauly

  10. Lieber ohne Logik sein als ohne Gefühle.

    Charlotte Bronté

  11. Je wertloser der Mann ist, um so weniger Achtung hat er vor Frauen.

    Theresa Keiter

  12. Was gelesen wird, ist immer charakteristisch für den Zeitgeist, was geschrieben wird, nicht immer.

    Friedrich Paulsen

  13. Tugend schärft nur ihre Kraft, wenn sie schweigend schafft.

    Heinrich Martin

  14. Wer Schadenfreude bei des Nächsten Unglück zeigt, der hat den Gipfelpunkt der Schlechtigkeit erreicht.

    Heinrich Martin

  15. Empfindlichkeit ist in den meisten Fällen Dummheit.

    Heinrich Martin

  16. Wer Charaktere studiert, der suche das Herz zu ergründen, nicht den Verstand und den Geist; heißt doch Charakter: Gemüt.

    Heinrich Martin

  17. Männer mit großem reichen Innern können nie anders als äußerst einfach, ohne Kunst und Prunk auftreten, weil sie genau ihren und des nächsten Wert erkennen.

    Heinrich Martin

  18. Blicke demjenigen scharf in die Augen, der allein geht und dem Bettler eine Gabe reicht. Da siehst du den inneren Menschen.

    Heinrich Martin

  19. Wer sich selbst versteht, kennt seinen Wert und lässt nicht mit sich handeln. Nur der Charakterlose ist für jeden Preis feil.

    Heinrich Martin

  20. Erbärmliche Charaktere finden ihren Stolz, in Gegenwart eines Menschen, der ihnen Wohltaten erwiesen, gebeugt.

    Heinrich Martin