Sprüche über Leid
339 Sprüche — Seite 16
Wo Sehnsucht auf Grenzen, Verlust oder Ungerechtigkeit trifft, entsteht Leid in seinen vielen Gestalten. Es kann körperlich, seelisch oder still verborgen sein und gehört doch zu den Erfahrungen, die das Leben am tiefsten prägen. Deshalb ist dieses Thema schwer, aber unentbehrlich für jedes ernste Nachdenken über den Menschen.
Seine Wahrheit liegt darin, dass Leid nicht nur belastet, sondern Mitgefühl, Reife und Fragen nach Sinn hervorbringen kann. Die Sprüche zu diesem Thema geben Schmerz und Ohnmacht eine Sprache, ohne deren Schwere zu beschönigen.
Ratschläge sind viel leichter als Geduld im Leid.
— Euripides
Manchen Wohltäter verwirrt das Leid der anderen derartig, dass er nicht weiß, wo er seine Tasche hat.
— Georg Christoph Lichtenberg
Der Weise mit Hoffnung erträgt die Qualen des Lebens.
— Euripides
Es verliert die schwerste Bürde des Lebens die Hälfte ihres Drucks, wenn man von ihr reden kann.
— Jeremias Gotthelf
Das Leiden soll uns in die Höhe tragen.
— Anselm von Canterbury
Viel Obst ist ungesund; wir kauen alle dran, was eines Apfels Kost für Leid uns angetan.
— Friedrich von Logau
Gott schickt am End uns Leiden, auf dass uns diese Welt, wenn wir nun von ihr scheiden, nicht mehr so mächtig hält.
— Justinus Andreas Christian Kerner
Der Ziellose erleidet sein Schicksal, der Zielbewußte gestaltet es.
— Marcus Tullius Cicero
Für die Gesundheit und ein langes Leben ohne großen Kummer weiß ich kein besseres Mittel als die Narrheit.
— Michelangelo
Mein Sohn hat gesagt: Was einen drückt, das muss man verarbeiten, und wenn er ein Leid gehabt hat, da hat er ein Gedicht daraus gemacht.
— Katharina Elisabeth Goethe
Die Tat ist die Blüte des Gedanken und Freud und Leid sind seine Früchte; der Mensch erntet somit sowohl die süßen wie auch die bitteren Früchte seiner eigenen Lebensführung.
— James Allen
Es gibt keinen unerträglichen Schmerz. So lange er empfunden wird, wird er ertragen. Ist er wirklich unerträglich, so bricht er das Herz physisch oder moralisch.
— Richard Rothe
Einer der Unterschiede zwischen Hund und Mensch besteht darin, dass man sich in der Not auf diesen niemals, auf jenen aber immer verlassen kann.
— Georges-Louis Leclerc de Buffon
Ein geteilter Kummer verändert sich eben so sehr, wie ein Vergnügen, das nicht geteilt wird.
— Jean Antoine Petit-Senn
Keine Wunde ist in mir so vernarbt, dass ich sie ganz vergessen könnte
— Francesco Petrarca
Du leidest an einer unheilvollen Seelenkrankheit. Die Modernen nennen sie Schwermut, die Alten hießen sie geistige Trägheit
— Francesco Petrarca
Es gibt kein Leiden des Körpers von dem die Seele nicht profitiert.
— George Meredith
Wir werden von einem Leiden nur geheilt, wenn wir es bis zum letzten auskosten.
— Marcel Proust
Wer nie um der Liebe willen gelitten hat, der hat auch nie Glück durch sie erfahren.
— Gottfried von Strassburg
Die wahre Freude des Lebens, die sich im tiefsten Leid bewährt, ist die Freude darüber, dass Gott ist und dass der Mensch Gottes Kind ist.
— Ferdinand Ebner