369 Sprüche — Seite 5
Wo Sehnsucht auf Grenzen, Verlust oder Ungerechtigkeit trifft, entsteht Leid in seinen vielen Gestalten. Es kann körperlich, seelisch oder still verborgen sein und gehört doch zu den Erfahrungen, die das Leben am tiefsten prägen. Deshalb ist dieses Thema schwer, aber unentbehrlich für jedes ernste Nachdenken über den Menschen.
Seine Wahrheit liegt darin, dass Leid nicht nur belastet, sondern Mitgefühl, Reife und Fragen nach Sinn hervorbringen kann. Die Sprüche zu diesem Thema geben Schmerz und Ohnmacht eine Sprache, ohne deren Schwere zu beschönigen.
Wo man am meisten fühlt, weiß man nicht viel zu sagen.
— Annette von Droste-Hülshoff
Wenn sich zwei Herzen scheiden, die sich dereinst geliebt, das ist ein großes Leiden, wie's größ'res nimmer gibt.
— Franz Emanuel August Geibel
Die Ehe hat viele Leiden, aber die Ehelosigkeit hat keine Freuden.
Besser ein Leben voll Liebe und Leid als eine einsame und sinnlose Zeit.
Einen falschen Eid müssen die Kinder im dritten Geschlecht noch büßen.
Das Glück trennt die Menschen, aber das Leid macht sie zu Brüdern.
— Peter Rosegger
Den Mann, der sich um Fernes nicht bekümmert, erwartet schon in nächster Nähe Kummer.
— Konfuzius
Am meisten über einen Menschen sagt aus, wie er Leid und Krankheit trägt.
— Rainer Haak
Durch einen neuen Nachfolger wird jede Liebe überwunden.
— Ovid
Von Krankheit mag der Körper wohl gesunden; doch Seelenschmerz heilt nicht wie Leibeswunden.
— Eduard von Bauernfeld
Aber, wenn er dies erfuhr, ging's ihm wider die Natur
— Wilhelm Busch
Sei hochbeseligt oder leide: Das Herz bedarf ein zweites Herz. Geteilte Freud ist doppelt Freude, geteilter Schmerz ist halber Schmerz.
— Christoph A. Tiedge
Die Menschen schämen sich nicht des Unrechts, das sie tun, sondern dessen, das sie leiden.
— Giacomo Leopardi
Die Zeit heilt keine Wunden. — Man lernt damit zu leben. — Das ist alles.
— Else Pannek
Die Unglücksfälle in der Welt sind zahlreicher als die Pfanzen der Erde.
Von allen Qualen, die den Menschen heimsuchen, ist die Selbstverachtung die höchste.
— Berthold Auerbach
Bisweilen kommt, nachdem das Schlimmste überstanden ist noch Schlimmeres.
— Otto Weiss
Vielleicht heißt "leiden" nichts anderes, als ein tieferes Leben führen.
— Alexandre Vinet
Demnach würde zur Milderung des menschlichen Elends das Wirksamste die Verminderung, ja Aufhebung des Luxus sein.
— Arthur Schnitzler
Unmenschen gibt es, aber keine Untiere
— Karl Julius Weber