369 Sprüche — Seite 6
Wo Sehnsucht auf Grenzen, Verlust oder Ungerechtigkeit trifft, entsteht Leid in seinen vielen Gestalten. Es kann körperlich, seelisch oder still verborgen sein und gehört doch zu den Erfahrungen, die das Leben am tiefsten prägen. Deshalb ist dieses Thema schwer, aber unentbehrlich für jedes ernste Nachdenken über den Menschen.
Seine Wahrheit liegt darin, dass Leid nicht nur belastet, sondern Mitgefühl, Reife und Fragen nach Sinn hervorbringen kann. Die Sprüche zu diesem Thema geben Schmerz und Ohnmacht eine Sprache, ohne deren Schwere zu beschönigen.
Vielleicht heißt "leiden" nichts anderes, als ein tieferes Leben führen.
— Alexandre Vinet
Durch die Liebe werden die bittersten Leiden süß, die wunderlichsten Begebenheiten gut, die kleinsten Werke groß und göttlich.
— Gerhard Tersteegen
Sehnsucht involviert immer Ungeduld und bedeutet Leiden.
— Prentice Mulford
Wo Leid ist, ist Irrtum - wo Schmerz ist, muss immer etwas falsch sein.
— Prentice Mulford
Wem nie durch Liebe Leid geschah, dem ward auch Lieb´ durch Lieb´ nie nah. Leid kommt wohl ohne Lieb´ allein, Lieb´ kann nicht ohne Leiden sein.
— Gottfried von Strassburg
Der kann sein Leid vergessen, der es von Herzen sagt.
— Simon Dach
Lieber will ich unter Qualen bluten, als glücklich sein aus Dummheit.
— Christian Dietrich Grabbe
Wir können weder alle zählen, denen Unheil widerfahren ist, noch auch nur einen von ihnen würdig beklagen.
— Giacomo Leopardi
Denn im Unglück pflegen die Menschen früher zu altem.
— Hesiod
Großes Glück ist die Feuerprobe des Menschen, großes Unglück nur die Wasserprobe.
— Jean Paul
Wer trüge wohl des Lebens Bürden, die bald mit ihrem dumpfen Harm ein schwaches Herz erdrücken würden, gäb uns die Freundschaft nicht den Arm!
— Christoph A. Tiedge
Zwischen Freude und Leid ist die Brücke nicht breit
Freud und Leid sind einander zur Ehe gegeben
An allen meinen Leiden ist nur die Liebe schuld.
— Giovanni Paisiello
Die Welt ist vollkommen überall, wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.
— Friedrich von Schiller
Meine Kunst ist mein Weib, mehr als genug, denn sie hat mich zeitlebens gequält. Und meine Kinder sind die Werke, die ich hinterlasse. Sollten sie auch nicht viel taugen, so werden sie doch eine Weile …
— Michelangelo
Je tiefer wir das Leiden durchschauen, umso näher kommen wir dem Ziel der Befreiung vom Leiden.
— Dalai Lama
Man kann nicht ohne weiteres sagen, dass Leid zum Aufbau des Charakters beitrage, ebenso oft trägt es auch zu seiner Zerstörung bei.
— John Steinbeck
Trost wohnt im Himmel, und wir sind auf Erde wo nichts als Kreuz, als Sorg' und Kummer lebt
— William Shakespeare
Wenn der Wunsch nach Glück ausreichte, um es herbeizuführen, gäbe es keine Leiden, denn niemand sucht das Leid
— Dalai Lama