Sprüche über Schicksal
444 Sprüche — Seite 6
Was dem Menschen widerfährt, entzieht sich oft seiner Planung und wird doch im Rückblick als Teil eines größeren Zusammenhangs gedeutet. Schicksal steht für jene Mischung aus Zufall, Notwendigkeit und Deutung, die das Leben geheimnisvoll und bisweilen widersprüchlich erscheinen lässt. Darum fasziniert dieses Thema seit Jahrhunderten.
Sein eigentlicher Kern liegt nicht nur im Geschehen selbst, sondern in der Frage, wie darauf geantwortet wird. Die Sprüche zu diesem Thema beleuchten das Verhältnis von Fügung und Freiheit und zeigen, wie eng äußeres Ereignis und innere Haltung miteinander verknüpft sind.
Wer Glück liebt, muss auch sein Unglück willkommen heißen. Das ganze Leben ist nicht der Sorge wert.
— Ludwig Tieck
Was aber die Leute gemeiniglich das Schicksal nennen, sind meistens nur ihre eigenen dummen Streiche.
— Arthur Schopenhauer
Man darf die Hoffnung, selbst an der Grenze der Verzweiflung nicht sinken lassen, mag sie uns auch noch so oft verhöhnt, geäfft und sich schnöde von uns gewendet haben.
— Heinrich Martin
Wer sich dem Zufall überlässt, ist ein hilflos treibendes Stück Holz auf dem Wasser
— Nikolaus B. Enkelmann
Ja, wer vom Schicksal ausersehen zu einem sturmbewegten Leben, dem darf kein Weib zur Seite stehn in seinem Kämpfen, seinem Streben
— Alexander Puschkin
Selten tritt dem Weisen das Schicksal in den Weg
— Seneca
Obwohl jeder das Schicksal hat, einmal zu sterben, lege deinen Kopf nicht in den Rachen des Löwen.
— Saadi Moscharrefoddin
Ein frei denkender Mensch bleibt nicht da stehen, wo der Zufall ihn hinstößt.
— Heinrich von Kleist
Schuld haben sie beide nicht: Weder der Mensch, noch das Schicksal; sie passen nur immer ganz genau aufeinander.
— Wilhelm Raabe
Die Vorsehung gibt uns nicht zweimal die Hand.
— John Galsworthy
Der tröstende Gedanke aber bleibt fort und fort, dass Gott auch widrige und schmerzliche Schicksale nur aus Liebe sendet, um unsere Gesinnungen zu läutern.
— Wilhelm von Humboldt
Weise ist, wer sich helfen kann, wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht.
Ein einz'ger Augenblick kann alles umgestalten.
— Karl Maria von Weber
Alle Tragödien beendet der Tod, alle Komödien die Ehe
— Lord Byron
Wer von den ungewissen Ereignissen der Zukunft nichts erhofft und nichts befürchtet, ist wahrhaft klug.
— Anatole France
Auf jedes Menschen Angesicht liegt leise dämmernd ausgebreitet ein sanfter Abglanz von dem Licht des Sternes, der sein Schicksal leitet. Der Genius der Harmonie wird dich mit seinen Wundertönen …
— Georg Friedrich Rudolph Herwegh
Nur ein Narr sorgt sich über Angelegenheiten, die er nicht beeinflussen kann.
— Samuel Johnson
Diese Welt ist eine Treppe; der eine steigt hinauf, der andere steigt hernieder.
— Katharina von Siena
Was Medikamente nicht heilen, heilt das Schwert, was das Schwert nicht heilt, heilt das Feuer, was aber das Feuer nicht heilt, muss als unheilbar angesehen werden.
— Hippokrates von Kós
Liebe hat die Eigenart, nicht vernünftig sein zu können
— Józef Ignacy Kraszewski