Sprüche über Sorgen
393 Sprüche — Seite 17
Was noch nicht eingetreten ist, kann das Herz oft stärker bedrängen als das Wirkliche selbst. Sorgen kreisen um Verlust, Unsicherheit und mögliche Gefahren und zeigen damit, wie eng Denken und Empfinden verflochten sind. Deshalb ist dieses Thema so alltäglich und zugleich so tief in der menschlichen Verletzlichkeit verankert.
Ihr Problem liegt darin, dass sie selten lösen, was sie unablässig bewegen. Die Sprüche zu diesem Thema fassen die Last des Vorausdenkens in Worte und erinnern daran, dass Vertrauen, Maß und Gegenwart oft heilsamer sind als endloses Grübeln.
Das Glück geht oft über Nacht aus.
Von Freunden in der Not geh'n hundert auf ein Lot.
Borgen macht Sorgen, drum soll man nicht mehr verzehren, als der Pflug kann ernähren.
Fettes Leben macht mageres Testament.
Ein kleines Loch stopf' zu, denn gross wird es im Nu.
Das Geld hat Beine!
Vor fremden Gut bewahr' die Hände, sonst nimmst du bald ein schlimmes Ende.
Wer viel kauft, was er nicht braucht, muss bald verkaufen, was er braucht.
Prozesse, Karten und Wirtshaus, bringen den Bettelstock ins Haus.
Wer ausgibt und nicht Rechnung führt, der wird bald arm, ohn' dass er's spürt.
Gibst du viel im kleinen aus, kommst du bald um Hof und Haus.
Aufregungen geben Löcher in den Magen.
Wer die Zeit der Saat verschläft, braucht in der Ernte nicht zu schwitzen.
Wir sollten um Hilfe rufen können, auch wenn uns das Wasser noch nicht bis zum Hals steht.
Wenn dich die Leut verdrießen, Wehmut dein Herz beschleicht, tu ihnen rasch was Gutes, dann ist dir wieder leicht.
Auch die kleinsten Freudenkörner nur recht fröhlich aufgepickt! Denn sie helfen dir verdauen, was sonst schwer im Magen liegt.
Zeigt die trübe, dunkle Seite dir auch oft das Leben, ist's vom Bild doch nur der Schatten, um das Licht zu heben.
— Anastasius Grün
Wenn due die Lämmer nicht achtest, wird die Herde bald zugrunde gehen.
Für Müllers Henne, Bäckers Schwein und der Witfrau Knecht soll man nicht sorgen.
Die kleinen Miseren des Lebens helfen uns manchmal über sein großes Elend hinweg.
— Marie von Ebner-Eschenbach