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Sprüche über Wirklichkeit

422 Sprüche — Seite 21

Zwischen dem, was erhofft wird, und dem, was sich tatsächlich zeigt, liegt die Wirklichkeit. Sie kann ernüchtern, berichtigen, trösten oder herausfordern und zwingt den Menschen dazu, Illusion und Wahrheit auseinanderzuhalten. Gerade deshalb ist dieses Thema nicht trocken, sondern voller Spannungen und tiefer Lebensfragen.

Ihr eigentliches Gewicht entfaltet sich dort, wo sie nicht nur als äußere Gegebenheit, sondern auch als innere Deutung erscheint. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, dass Wirklichkeit nie ganz unabhängig vom Blick des Menschen gedacht werden kann.

  1. Für besser gehalten zu werden, als man ist, ist auch eine Art Verleumdung, die sich ein ehrlicher Mensch nicht gefallen lassen kann.

    August Pauly

  2. Nicht was du sprichst, sondern wie Du es sprichst, also am Akzent des Tones hören wir, wie Deine Seele gestimmt ist.

    Heinrich Martin

  3. Lebendig ist, wer stark und edel strebt. Die andern leben nicht, sie werden gelebt.

    Friedrich Lienhard

  4. Der Pessimist klagt über den Wind, der Optimist hofft, dass der Wind sich dreht und der Realist hisst die Segel.

    Sir Adolphus William Ward

  5. Nicht im Wirklichen und Greifbaren spielt sich das entscheidende Leben der Menschen ab, das Tiefste, woran der Sterbliche seine Seele bindet, ist Traum: So werden Glück und Unglück zu bloßen Namen.

    Jakob Wassermann

  6. Wir können der Wirklichkeit nicht habhaft werden. Sie muss gestutzt, gekürzt, geknetet, ja, sie muss umgeglüht werden, und der Ofen, in dem die Umglühung vorgenommen wird, ist die Phantasie.

    Jakob Wassermann

  7. Nur wer die Gegenwart gekannt hat, weiß wirklich, was die Hölle ist.

    Jakob Wassermann

  8. Es ist schwer zu sagen, was unmöglich ist, denn der Traum von gestern ist die Hoffnung von heute und die Wirklichkeit von morgen.

    Robert Goddard

  9. Das Leben gleicht eher einem Gemälde als einer exakt zu lösenden Rechenaufgabe.

    Oliver Wendell Holmes

  10. Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände.

    Oliver Wendell Holmes

  11. Die Wissenschaft will nur glauben, was sie weiß, die Kirche nur wissen, was sie glaubt.

    Friedrich Wilhelm Kaulisch

  12. Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum

    Tommaso Campanella

  13. Nichts ist so trügerisch wie Tatsachen, Zahlen ausgenommen.

    George Canning

  14. Die einfachste Lehre von allem, dass man die Parteien nicht nach ihren gepriesenen Zwecken, sondern nach ihren Mitteln zu würdigen habe, bleibt ohne Anhänger.

    Friedrich Christoph Dahlmann

  15. Die Ursachen der Übel werden meist ungerner vernommen, als die Übel selbst.

    Friedrich Christoph Dahlmann

  16. Die Wirklichkeit ist nie so quälerisch als die Gedankenwelt.

    Max Dauthendey

  17. Furcht vor Gefahr ist zehntausendmal beängstigender als die Gefahr selbst.

    Daniel Defoe

  18. Die Feder ist eine starke Waffe. Aber der Mensch kann sich damit sehr viel leichter töten als andere.

    George Prentice Denison

  19. Was die Menschen groß nennen, ist es nicht immer. Was sie beklatschen, ziemlich selten. Und das, wohin sie strömen in Scharen, dass die Säle sie nicht fassen, das ist niemals groß.

    Philipp Dessauer

  20. Wir wissen nicht, wie groß wir sind, bis sie uns zum Aufstehen zwingen. Und wenn wir es dann wirklich tun, wird unser Kopf durch die Wolken dringen.

    Emily Elizabeth Dickinson