Sprüche über Wirklichkeit
422 Sprüche — Seite 21
Zwischen dem, was erhofft wird, und dem, was sich tatsächlich zeigt, liegt die Wirklichkeit. Sie kann ernüchtern, berichtigen, trösten oder herausfordern und zwingt den Menschen dazu, Illusion und Wahrheit auseinanderzuhalten. Gerade deshalb ist dieses Thema nicht trocken, sondern voller Spannungen und tiefer Lebensfragen.
Ihr eigentliches Gewicht entfaltet sich dort, wo sie nicht nur als äußere Gegebenheit, sondern auch als innere Deutung erscheint. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, dass Wirklichkeit nie ganz unabhängig vom Blick des Menschen gedacht werden kann.
Für besser gehalten zu werden, als man ist, ist auch eine Art Verleumdung, die sich ein ehrlicher Mensch nicht gefallen lassen kann.
— August Pauly
Nicht was du sprichst, sondern wie Du es sprichst, also am Akzent des Tones hören wir, wie Deine Seele gestimmt ist.
— Heinrich Martin
Lebendig ist, wer stark und edel strebt. Die andern leben nicht, sie werden gelebt.
— Friedrich Lienhard
Der Pessimist klagt über den Wind, der Optimist hofft, dass der Wind sich dreht und der Realist hisst die Segel.
— Sir Adolphus William Ward
Nicht im Wirklichen und Greifbaren spielt sich das entscheidende Leben der Menschen ab, das Tiefste, woran der Sterbliche seine Seele bindet, ist Traum: So werden Glück und Unglück zu bloßen Namen.
— Jakob Wassermann
Wir können der Wirklichkeit nicht habhaft werden. Sie muss gestutzt, gekürzt, geknetet, ja, sie muss umgeglüht werden, und der Ofen, in dem die Umglühung vorgenommen wird, ist die Phantasie.
— Jakob Wassermann
Nur wer die Gegenwart gekannt hat, weiß wirklich, was die Hölle ist.
— Jakob Wassermann
Es ist schwer zu sagen, was unmöglich ist, denn der Traum von gestern ist die Hoffnung von heute und die Wirklichkeit von morgen.
— Robert Goddard
Das Leben gleicht eher einem Gemälde als einer exakt zu lösenden Rechenaufgabe.
— Oliver Wendell Holmes
Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände.
— Oliver Wendell Holmes
Die Wissenschaft will nur glauben, was sie weiß, die Kirche nur wissen, was sie glaubt.
— Friedrich Wilhelm Kaulisch
Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum
— Tommaso Campanella
Nichts ist so trügerisch wie Tatsachen, Zahlen ausgenommen.
— George Canning
Die einfachste Lehre von allem, dass man die Parteien nicht nach ihren gepriesenen Zwecken, sondern nach ihren Mitteln zu würdigen habe, bleibt ohne Anhänger.
— Friedrich Christoph Dahlmann
Die Ursachen der Übel werden meist ungerner vernommen, als die Übel selbst.
— Friedrich Christoph Dahlmann
Die Wirklichkeit ist nie so quälerisch als die Gedankenwelt.
— Max Dauthendey
Furcht vor Gefahr ist zehntausendmal beängstigender als die Gefahr selbst.
— Daniel Defoe
Die Feder ist eine starke Waffe. Aber der Mensch kann sich damit sehr viel leichter töten als andere.
— George Prentice Denison
Was die Menschen groß nennen, ist es nicht immer. Was sie beklatschen, ziemlich selten. Und das, wohin sie strömen in Scharen, dass die Säle sie nicht fassen, das ist niemals groß.
— Philipp Dessauer
Wir wissen nicht, wie groß wir sind, bis sie uns zum Aufstehen zwingen. Und wenn wir es dann wirklich tun, wird unser Kopf durch die Wolken dringen.
— Emily Elizabeth Dickinson