388 Sprüche — Seite 15
Mehr als Wissen, Lebenserfahrung oder geistige Brillanz ist Weisheit die Fähigkeit, das Wesentliche im rechten Zusammenhang zu sehen. Sie verbindet Urteil mit Milde, Klarheit mit Menschlichkeit und behält auch im Widersprüchlichen einen weiten Blick. Darum zählt dieses Thema zu den höchsten Formen innerer Reife.
Ihre Würde liegt darin, dass sie nicht nur erkennt, sondern das Erkannte auch lebensdienlich einzuordnen weiß. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen Weisheit als eine Haltung, in der Tiefe und Güte, Ernst und heitere Einsicht einander nicht ausschließen.
Wer wenig weiß, glaubt fest an das wenige
Wenn ein Blinder dich stößt, werde nicht ärgerlich
Es kommen Fälle vor im Menschenleben, wo's Weisheit ist, nicht allzu weise zu sein.
— Friedrich von Schiller
Ich werfe meine Freude wie Vögen an den Himmel. Ein neuer Tag, der glitzert, knallt und jubiliert.
An der Geduld erkennt man den Mann.
Auch von Arbeit kann man leben, aber reich wird man durch Handel
Menschen, die bloß arbeiten, finden keine Zeit zum Träumen. Nur wer träumt, gelangt zur Weisheit.
Es ist Eselsweisheit, wieder auf das Eis zu gehen, auf dem man gefallen ist.
Wer in einem Jahr reich werden will, wird schon nach zehn Monaten gehängt.
Charme ist die Gabe, den anderen vergessen zu lassen, dass er aussieht, wie er aussieht
Arbeit, die Freude macht, ist schon zur Hälfte fertig.
Wer viel gelobt wird, wird bucklig.
Was man auf Morgen verschieben kann, ist es nicht wert, heute getan zu werden.
Tanzen ist träumen mit den Beinen.
Am krummen Holz erkennt man den Künstler.
Die Küken zählt man erst im Herbst.
Einer, der zu oft Dankeschön sagt, isst dir alles leer.
Ausgehungerte Wölfe heulen, satte Schweine schlafen
Schönheit bringt den Topf nicht zum Kochen
Die Güte des Vaters hat einen starken Arm, die Güte der Mutter hat eine weiche Hand.