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Sprüche über Weisheit

1395 Sprüche — Seite 49

Mehr als Wissen, Lebenserfahrung oder geistige Brillanz ist Weisheit die Fähigkeit, das Wesentliche im rechten Zusammenhang zu sehen. Sie verbindet Urteil mit Milde, Klarheit mit Menschlichkeit und behält auch im Widersprüchlichen einen weiten Blick. Darum zählt dieses Thema zu den höchsten Formen innerer Reife.

Ihre Würde liegt darin, dass sie nicht nur erkennt, sondern das Erkannte auch lebensdienlich einzuordnen weiß. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen Weisheit als eine Haltung, in der Tiefe und Güte, Ernst und heitere Einsicht einander nicht ausschließen.

  1. Ein natürlicher Appetit läßt uns nicht nur nach dem Besitz von Wissen (scientia), sondern nach dem Besitz von Weisheit (sapientia) streben, nach Wissen also, das man schmecken kann (scientia sapida).

    Nikolaus von Kues

  2. Die höchste Weisheit ist es, nicht stets weise zu sein.

    Martin Opitz

  3. Das Wasser, das du nicht trinken kannst, lass fließen

    Alexander Puschkin

  4. Es steht einer Frau nicht gut an, den Mund zu öffnen, außer beim Essen.

  5. Lobe den Rat der Frauen, aber richte dich nicht nach ihm.

  6. Die Frau gleicht der Kastanie - außen schön und innen schlecht.

  7. Die Schwiegermutter spricht Honig, aber sie meint Galle.

  8. Geflüsterter Rat ist keine Erbse wert.

  9. Willst du über einen Freund urteilen, prüfe, ob du ein Heiliger bist.

  10. Lügen sind die Waffen der Bösen.

  11. Eine gewisse Reibung zwischen den Generationen ist unvermeidlich; denn die Jugend und die Alten wiegen sich im Besitze der Antworten, und das Mittelalter hat die Fragen am Hals.

  12. Mit Geld kommen ist besser als bald kommen.

  13. Wer schnell geht, bekommt die Antilope nicht zu Gesicht.

  14. Wenn der Bart das Wichtigste wäre, könnten die Ziegen predigen.

  15. Wir machen große Versprechungen, um kleine Gaben zu vermeiden.

  16. Die Zeit ist eine geräuschlose Feile.

  17. Herrschen ist Unsinn, aber Regieren ist Weisheit. Man herrscht also, weil man nicht regieren kann.

    Johann Gottfried Seume

  18. Nichts ist zählebiger als ein Provisorium.

  19. Achte auf die Gesichter derer, die sich verneigen.

  20. Am schwersten trägt der Mensch an den Sorgen von übermorgen.