388 Sprüche — Seite 23
Mehr als Wissen, Lebenserfahrung oder geistige Brillanz ist Weisheit die Fähigkeit, das Wesentliche im rechten Zusammenhang zu sehen. Sie verbindet Urteil mit Milde, Klarheit mit Menschlichkeit und behält auch im Widersprüchlichen einen weiten Blick. Darum zählt dieses Thema zu den höchsten Formen innerer Reife.
Ihre Würde liegt darin, dass sie nicht nur erkennt, sondern das Erkannte auch lebensdienlich einzuordnen weiß. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen Weisheit als eine Haltung, in der Tiefe und Güte, Ernst und heitere Einsicht einander nicht ausschließen.
Die Liebe verrät sich immer, indem sie versucht, sich nicht zu verraten
Was kein Verstand erfasst, keine menschliche Weisheit erreicht, das ist der wahren Liebe zu allen Zeiten möglich: ihr Quell ist unversiegbar.
— Henriette Davidis
Ein Mensch, der den Frieden in sich trägt, verbreitet mehr Segen als einer, der eine große Gelehrsamkeit besitzt.
— Thomas à Kempis
Wissen ist wertvoller als Geld,schärfer als ein Säbel und mächtiger als eine Kanone.
Wer weder raucht noch trinkt, wird als sehr gesunder Mensch sterben
Keiner ist Meister geworden, dem nicht auch mal ein Werk misslang.
Das Glück, wie die Sonne, kannst du nicht mit offenen Augen anschauen.
Die Ruhe ist eine liebenswürdige Frau und wohnt in der Nähe der Weisheit
— Epicharmos
Ein alter Freund ist besser als zwei neue
Die Liebe kommt auf leisen Sohlen, aber sie knallt mit den Türen, wenn sie weggeht
Auch wenn die Sonne hinter dunklen Wolken verborgen ist, wärmt sie uns.
Was gegen die Kälte nützt, auch vor der Hitze schützt.
Mit einem eifrigen Schüler ist der Lehrer gut bezahlt
Wie schade, dass die Heilige Jungfrau sich nur herabläßt, Kindern und Narren zu erscheinen!
Ach, selbst das weiseste Sprichwort irrt: Es ist nicht alles Gold, was geschwiegen wird!
— Oscar Blumenthal
Die Menschenküken brauchen lange bis sie fliegen können.
Wer nicht kommt zur rechten Zeit, der muss seh'n, was übrig bleibt.
Was ist die Weisheit eines Buches gegen die Weisheit eines Engels?
— Johann Christian Friedrich Hölderlin
Dem Gelehrten ist der Stolz verzeihlich, dem Weisen jedoch unmöglich
— Heinrich Martin
Wer einen guten Freund hat, kann nicht verkommen, er findet immer Unterkommen und Auskommen.