388 Sprüche — Seite 35
Mehr als Wissen, Lebenserfahrung oder geistige Brillanz ist Weisheit die Fähigkeit, das Wesentliche im rechten Zusammenhang zu sehen. Sie verbindet Urteil mit Milde, Klarheit mit Menschlichkeit und behält auch im Widersprüchlichen einen weiten Blick. Darum zählt dieses Thema zu den höchsten Formen innerer Reife.
Ihre Würde liegt darin, dass sie nicht nur erkennt, sondern das Erkannte auch lebensdienlich einzuordnen weiß. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen Weisheit als eine Haltung, in der Tiefe und Güte, Ernst und heitere Einsicht einander nicht ausschließen.
Wer seiner Frau alles erzählt, ist erst jung verheiratet.
Ein Pferd von dreißig Jahren verändert nicht mehr seinen Gang.
Disteln und Dornen stehen sehr, falsche Zungen noch viel mehr.
Man kann noch weit gehen, wenn man müde ist.
Ein Rat ist, was der Weise nicht braucht und der Narr nicht annimmt
Wer früh zum Manne reift, bleibt lange jung.
Es schlägt nicht immer ein, wenn es donnert
Große Dinge sprechen sich am besten durch Schweigen aus
Aus dem Munde der Mutter ist selbst der Fluch ein Segen.
Der Adler fliegt allein, der Rabe scharenweise. Gesellschaft braucht der Tor und Einsamkeit der Weise.
— Friedrich Rückert
Die Gelehrten sind nicht immer die Gescheiteren.
— Francois Rabelais
Der Weise ist auf alle Ereignisse vorbereitet.
— Jean-Baptiste Molière
Ein Ei tanzt nicht mit einem Stein zusammen.
Wissen sollte man durch Weisheit ersetzen, dadurch wird Sorge schwinden. Alles nur mit dem Verstand zu erfassen wollen, wird Weisheit vertreiben.
Gesellschaft braucht der Tor, und Einsamkeit der Weise.
— Friedrich Rückert
Die Weisen heilen, was noch nicht krank ist.
Das Wort: Wir sind zufrieden! Macht uns're Weisheit aus. Wir seufzen doch hienieden Vom Glück nicht viel heraus.
— August Friedrich Langbein
Die Sonne geht an keinem Dorf vorüber.
Die Straße des Exzesses führt zum Palast der Weisheit
— William Blake
Du wirst die Hexe entschuldigen, wenn du mit ihr gehext hast.