388 Sprüche — Seite 17
Mehr als Wissen, Lebenserfahrung oder geistige Brillanz ist Weisheit die Fähigkeit, das Wesentliche im rechten Zusammenhang zu sehen. Sie verbindet Urteil mit Milde, Klarheit mit Menschlichkeit und behält auch im Widersprüchlichen einen weiten Blick. Darum zählt dieses Thema zu den höchsten Formen innerer Reife.
Ihre Würde liegt darin, dass sie nicht nur erkennt, sondern das Erkannte auch lebensdienlich einzuordnen weiß. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen Weisheit als eine Haltung, in der Tiefe und Güte, Ernst und heitere Einsicht einander nicht ausschließen.
Wer viel gelobt wird, wird bucklig.
Tanzen ist träumen mit den Beinen.
Was man auf Morgen verschieben kann, ist es nicht wert, heute getan zu werden.
Arbeit, die Freude macht, ist schon zur Hälfte fertig.
Charme ist die Gabe, den anderen vergessen zu lassen, dass er aussieht, wie er aussieht
Aus allen Hütten qualmt es; jeder hat seine Sorgen.
Aus derselben Blüte zieht die Biene ihren Honig und die Wespe ihr Gift.
Kommt der Ruhm, so schwindet das Gedächtnis.
Man kann am höchsten und am weitesten reichen und doch nicht dahinter blicken.
Whisky: Ein Glas ist fabelhaft, zwei sind zu viel, drei sind zu wenig
Auf fünfzig Ratgeber kommt ein Helfer.
Stiehl einen Hammel und sie hängen dich. Stiehl eine ganze Herde, und sie verhandeln mit Dir.
Das Schweigen ist das schönste Juwel der Frau, aber sie trägt es zu selten.
Kleine Samen flach bedeckt, große Samen tief versteckt.
Der ist ein guter Redner, der sich selbst überzeugt
Ausgespucktes Brot wird gegessen, ein verachtetes Kind gefunden.
Wer Unkraut nur ein Jahr lässt stehen, kann sieben Jahre jäten gehen.
Das „Warum“ des Kindes ist der Beginn der Philosophie.
Lieber sofort ablehnen als lange versprechen.
Wer nicht kommt zur rechten Zeit, der muss seh'n, was übrig bleibt.