Sprüche über Weisheit
1395 Sprüche — Seite 43
Mehr als Wissen, Lebenserfahrung oder geistige Brillanz ist Weisheit die Fähigkeit, das Wesentliche im rechten Zusammenhang zu sehen. Sie verbindet Urteil mit Milde, Klarheit mit Menschlichkeit und behält auch im Widersprüchlichen einen weiten Blick. Darum zählt dieses Thema zu den höchsten Formen innerer Reife.
Ihre Würde liegt darin, dass sie nicht nur erkennt, sondern das Erkannte auch lebensdienlich einzuordnen weiß. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen Weisheit als eine Haltung, in der Tiefe und Güte, Ernst und heitere Einsicht einander nicht ausschließen.
Ist die Spinne träg zum Fangen, Gewitter bald am Himmel hangen.
Wenn die Spinnen im Regen spinnen, wird er nicht mehr lange rinnen.
Sind noch Fliegen an der Wand, hält noch die Sonn' den Frost gebannt.
Wenn man einen Hund zum Jagen tragen muss, wird man nicht viel fangen.
Willst Glück du haben mit dem Vieh, so füttre pünktlich, plage nie.
Bellt der Fuchs im grünen Wald, stellt sich ein der Regen bald.
Kommt die Feldmaus ins Dorf, so sieh nach Holz und Torf.
Kommen die Fische früh ans Licht, trau den Tag dem Wetter nicht.
Gedeiht die Schnecke und die Nessel, füllen sich die Speicher und Fässel.
Wenn d'Apfelbäum' blüh'n, soll der Ofen glüh'n.
Auf großen Raum pflanz' einen Baum und pflege sein, er bringt dir's ein.
Blüh'n die Disteln reich und voll, ein schöner Herbst dir blühen soll.
Blüte schnell und ohne Regen, verspricht beim Obste großen Segen.
Wenn der Flieder langsam verblüht, die Ernte sich lang hinzieht.
Nun fängt das Laub zu stehen an, die Vögel haben das Legen getan.
Blüht der Stock in vollem Licht, große Beeren er verspricht.
Im Hunger frißt der Teufel Fliegen.
Ein Vielfraß wird nicht geboren, sondern erzogen.
Gott gibt Wasser und Wein, aber er schenkt nicht selber ein.
Der Winter bringt zweierlei auf einmal: weiße Tage und schwarze Nächte.