548 Sprüche — Seite 6
Nicht offener Hass, sondern oft schon Gleichgültigkeit entzieht dem Miteinander seine Wärme und Verbindlichkeit. Wo nichts mehr berührt, schwindet der Impuls zu verstehen, zu helfen oder Stellung zu beziehen. Darum ist dieses Thema so ernst, weil es weniger durch Lärm als durch innere Abwesenheit wirkt.
Ihre Kälte zeigt sich besonders darin, dass sie Unrecht geschehen lässt, ohne sich selbst schuldig zu fühlen. Die Sprüche zu diesem Thema beleuchten jene lähmende Haltung, in der Verantwortung abgestreift wird, und erinnern daran, dass menschliche Würde Aufmerksamkeit und Anteilnahme braucht.
Den Menschen geht es wie den Büchern, sie werden manchmal zu spät geschätzt.
— Honoré de Balzac
Man muß nicht wissen, wer den Tuberkel Bazillus entdeckt hat.
— Robert Koch
Wenn das Schicksal ruft: "Le jeu est fait, messieurs!", so achten das die wenigsten. Erst wenn sie hören: "Rien ne va plus!", bekommen sie Lust, aber zu spät.
— Ludwig Börne
Wir sind nichts; was wir suchen ist alles.
— Johann Christian Friedrich Hölderlin
Werbung ist der Versuch, das Denkvermögen des Menschen so lange außer Takt zu setzten, bis er genügend Geld ausgegeben hat.
— Ambrose Bierce
Stimmungen entstehen oft aus Ursachen, über welche der Mensch nur wenig Gewalt hat, aber sie nehmen zu und werden der inneren Gemütsruhe immer verderblicher, wenn man sich in ihnen gehen lässt.
— Wilhelm von Humboldt
Es ist mir gleichgültig, ob einer aus Sing-Sing kommt oder von Harvard. Ich suche Menschen, nicht Biographien.
— Henry Ford
Wer leben will und sich wohl befinden, kümm're sich nicht um des Nachbarn Sünden.
— Paul Johann Ludwig von Heyse
Was dem Verstande endlich, ist nichtig dem Herzen.
— Ludwig Andreas Feuerbach
Man trägt oft am schwersten an dem, was man weggeworfen hat.
— Peter Sirius
Es ist für mich völlig überflüssig zu wissen, was ich nicht ändern kann
— Paul Valéry
Dem Arbeiter, der kein Brot hat, ist es ganz einerlei, nach welcher Definition er verhungert.
— Daniel Spitzer
Das Meer noch niemals größer ward, weil eine Gans das Wasser spart.
— Bernhard Freidank
Man muss vieles, das unser Ohr trifft, nicht hören, als wäre man taub, und dafür Sinn und Verstand auf das richten, was dem Herzen Frieden bringt.
— Thomas à Kempis
Neben der edlen Kunst, Dinge zu verrichten, gibt es die edle Kunst, Dinge unverrichtet zu lassen.
Das Gesetz ist durch einen Anhang, genannt die Strafe, geschützt. Man muss das Vergnügen der Missachtung des Gesetzes gegen die Strafe abwägen.
— John Steinbeck
Kinder sind Augen, die sehen, wofür wir längst schon blind sind. Kinder sind Ohren, die hören, wofür wir längst schon taub sind. Kinder sind Seelen, die spüren, wofür wir längst schon stumpf sind …
Auschwitz fängt da an, wo einer steht und denkt, es sind ja nur Tiere
— Theodor W. Adorno
Die Vorwürfe Unkundiger muss man sich mit Gleichmut anhören.
— Seneca
Wenn du deine Pflicht tust, muss es dir gleichgültig sein, ob dich die Menschen schmähen oder preisen
— Mark Aurel