492 Sprüche — Seite 27
Kaum ein Gefühl flammt so schnell auf und hinterlässt doch oft so lange Schatten wie der Ärger. Er entsteht aus Kränkung, Enttäuschung, Ungeduld oder dem Eindruck, übergangen zu werden, und verrät damit viel über Erwartungen und Empfindlichkeit. Gerade deshalb ist er nicht nur lästig, sondern auch aufschlussreich für das eigene Innenleben.
In ihm zeigt sich, wie schmal der Abstand zwischen verletztem Stolz und berechtigtem Unmut sein kann. Die Sprüche zu diesem Thema geben diesem aufgewühlten Zustand eine prägnante Sprache und erinnern daran, dass Ärger zwar menschlich ist, aber nicht jedes letzte Wort behalten sollte.
Nach welcher Seite man auch die Füsse setzt, man tritt immer in Scheisse.
— Gustave Flaubert
Unannehmlichkeiten von rohen Menschen sollte man abschütteln wie Schneeflocken. Höchstens darf eine leise auf uns vergehen und ein Tropfen Wasser werden, eine stille Träne.
— Friedrich Wilhelm Kaulisch
Ein ärgernder Lehrer ist strafbarer als ein Giftmischer, er ist ein Seelenmörder!
Argwohn riecht den Braten, noch eh das Kalb geschlachtet ist.
Wer austeilen will, muss auch einnehmen.
Wirf das Beil nicht so weit hinweg, dass du's nicht wieder holen könntest.
Bosheit tut sich selbst den ärgsten Schaden.
Wer schlechte Botschaft bringt, kommt früh genug.
Wer aus vielen Büchsen schießt, trifft selten die Scheibe.
Die besten Feinde sind, die zuvor drohen
Wer den Dreck rührt, muss ihn auch riechen
Dem fliehenden Feinde baue goldne Brücken
Wer drei Feinde hat, muss sich mit zweien vertragen
Versöhntem Feinde traue nicht
Wenn Feinde gute Worte geben, haben sie Böses im Sinne.
Das Feuer, das mich nicht brennt, lösch ich nicht
Sieh erst auf dich und die Deinen, dann erst schilt mich und die Meinen.
Drei Frauen, drei Gänse und drei Frösche machen einen Jahrmarkt
An einer Frau und an einer Mühle gibt es immer was zu flicken
Verbotne Frucht schmeckt am besten