492 Sprüche — Seite 28
Kaum ein Gefühl flammt so schnell auf und hinterlässt doch oft so lange Schatten wie der Ärger. Er entsteht aus Kränkung, Enttäuschung, Ungeduld oder dem Eindruck, übergangen zu werden, und verrät damit viel über Erwartungen und Empfindlichkeit. Gerade deshalb ist er nicht nur lästig, sondern auch aufschlussreich für das eigene Innenleben.
In ihm zeigt sich, wie schmal der Abstand zwischen verletztem Stolz und berechtigtem Unmut sein kann. Die Sprüche zu diesem Thema geben diesem aufgewühlten Zustand eine prägnante Sprache und erinnern daran, dass Ärger zwar menschlich ist, aber nicht jedes letzte Wort behalten sollte.
Argwohn ist mit dem Teufel aus einer Schüssel.
Wenn das Aug nicht sehen, will, helfen weder Licht noch Brill'.
Wer seine Augen im Brillenfutter hat, der kann viel übersehen.
Wer einkauft, hat hundert Augen nötig, wer verkauft, nur eins.
Man muss hinten und vorn Augen haben.
Ein böser Mensch ist wie eine Kohle: er brennt oder schwätzt.
Wenn Heu und Stroh beisammen sind, so brennt es gern.
Der hat seinen Dreck nicht weggetan, der ihn unter sein Fenster fegt.
Wer seinen Fehler nicht erkennt, kann ihn nicht verbessern
Ein geschlagener Feind ist noch nicht überwunden
Alte Feindschaft wird leicht neu
Besser offener Feind als zweideutiger Freund.
Wer Feinde schont und Freunde erzürnt, ist sich selbst feind
Wenn einer keinen Feind hat, so geht's ihm übel
Kleine Feinde und kleine Wunden verachtet kein Weiser
Wer ein Feuer will löschen, muss anfangs die Funken ersticken
Wer anderer Feuer schürt, dem verlöscht das eigene
Fremdes Feuer ist nie so hell als der Rauch daheim.
Kommt Feuer und Stroh zusammen, so gibt es gerne Flammen
Wer das Feuer haben will, muss den Rauch leiden.