Sprüche über Gedanken
755 Sprüche — Seite 11
Lange bevor Handlungen sichtbar werden, nehmen Gedanken bereits Gestalt im Inneren an. Sie ordnen Wahrnehmung, nähren Hoffnung, vergrößern Angst oder eröffnen neue Möglichkeiten und prägen damit still, aber nachhaltig das Leben eines Menschen. Darum zählt dieses Thema zu den grundlegendsten Feldern jeder Selbsterkenntnis.
In ihnen entscheidet sich oft, wie Wirklichkeit gedeutet und Zukunft entworfen wird. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie mächtig das Denken sein kann und warum Klarheit, Sammlung und innere Wachheit nicht bloß geistige Tugenden, sondern Voraussetzungen eines bewussten Lebens sind.
Viele junge Leute ereifern sich über Anschauungen, die sie in 20 Jahren haben werden.
— Jean-Paul Sartre
Man lasse den guten Gedanke nur den Plan frei: sie werden kommen.
— Arthur Schopenhauer
Es bleibt der letzte und allgemeine Maßstab für den Wert eines Menschen, ob er auch der Andacht fähig, ob er seine Gedanken vom Staub des Alltags losmachen und eine Feierstille in sich erzeugen und wü …
— Paul Johann Ludwig von Heyse
Einfälle sind keine Gedanken. Der Gedanke kennt die Schranken, der Einfall setzt sich darüber weg und kommt in der Ausführung nicht vom Fleck.
— Franz Grillparzer
Wir spielen unsere Gedanken gegeneinander aus, in Wirklichkeit unsere Temperamente.
— Christian Morgenstern
Je freier man atmet, je freier man lebt.
— Theodor Fontane
Der erste Gedanke ist der gute in der Kunst - in anderen Dingen ist es der zweite.
— William Blake
Stillstand des Blutens macht krank, Stillstand des Denkens macht dumm.
Rücksichtslosigkeit des Denkens ist oft das Zeichen einer unfriedlichen inneren Gesinnung, welche Betäubung begehrt.
— Friedrich Nietzsche
Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.
Oft denke ich an den Tod, den herben, und wie am End' ich's ausmach?! Ganz sanft im Schlafe möcht' ich sterben und tot sein, wenn ich aufwach!
— Karl Spitzweg
Zu tausend Dingen bin ich ja nicht gekommen bei meinem sonderbaren Leben und hätte doch zu tausend Dingen Talent gehabt
— Franziska Gräfin zu Reventlow
Um mit Nutzen zu lesen, muss man seine Aufmerksamkeit bis zu dem Grade anspannen, dass man die Gedanken wie etwas mit leiblichen Augen Angeschautes vor sich sieht.
— Joseph Joubert
Der tiefe Denker hegt immer den Verdacht, dass er oberflächlich ist.
— Benjamin Disraeli
Der Mensch ist nur ein Schilfrohr, das schwächste in der Natur. Aber ein Schilfrohr, das denkt.
— Blaise Pascal
Pessimisten sind die wahren Lebenskünstler, sie erleben dauernd angenehme Überraschungen.
— Marcel Proust
Mir ist kein Lesen nützlicher, als solches kurzer Gedanken. Keines scheint mir reichhaltiger, belehrender, anwendbarer.
— Johann Kaspar Lavater
Alles was du in deinem Leben erreichst oder nicht erreichst, ist das direkte Resultat, deiner Gedanken.
— James Allen
Erdachtes mag zu denken geben, doch nur Erlebtes wird beleben.
— Paul Johann Ludwig von Heyse
Natur wiederholt ewig in weiterer Ausdehnung denselben Gedanken. Darum ist der Tropfen ein Bild des Meeres.
— Christian Friedrich Hebbel