575 Sprüche — Seite 37
Lange bevor Handlungen sichtbar werden, nehmen Gedanken bereits Gestalt im Inneren an. Sie ordnen Wahrnehmung, nähren Hoffnung, vergrößern Angst oder eröffnen neue Möglichkeiten und prägen damit still, aber nachhaltig das Leben eines Menschen. Darum zählt dieses Thema zu den grundlegendsten Feldern jeder Selbsterkenntnis.
In ihnen entscheidet sich oft, wie Wirklichkeit gedeutet und Zukunft entworfen wird. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie mächtig das Denken sein kann und warum Klarheit, Sammlung und innere Wachheit nicht bloß geistige Tugenden, sondern Voraussetzungen eines bewussten Lebens sind.
Was stets und allerorten sich ewig jung erweist, ist in gebundenen Worten ein ungebundener Geist.
— August von Platen
Auch wenn dir der Sinn meines Spruchs noch nicht dämmert: sei gut beschlagen und nicht - behämmert!
Selig ist, wer sich verdrückt, wenn es was zu lernen gibt.
Hast Sonne im Herzen und Pizza im Bauch, dann bist du glücklich und satt bist du auch.
Stunden, wo der Unsinn waltet, sind so selten. Stört sie nie! Schöner Unsinn, glaubt mir Kinder, er gehört zu Poesie.
Packt dich mal die Krise, dann ruf mich einfach an. Ich bin auch kein Riese, doch tu ich, was ich kann.
Bei all Deinen Sorgen merke Dir eins: Besser Du lebst fünf vor zwölf als eins nach keins.
Von folgendem Spruch mach gerne Gebrauch: Verspreche nichts, und das halte dann auch!
Ein Kluger und ein Dummer machen mir keinen Kummer; aber die schlimmste Sorte von Leuten sind die Halbgescheiten.
Das meiste im Leben ist schlecht, drum bin ich gar nicht froh; die Dunkelheit ist echt, das Licht aber scheint nur so.
Das Leben ist eine Hühnerleiter, von oben bis unten - ich weiß nicht weiter.
Ob gut, ob schlecht das Jahr auch sei: ein bisschen Frühling ist immer dabei!
Geh fröhlich hin durchs blumenreiche Leben und pflücke manche Blume dir. Nicht nur für bittren Gram hat Gott das Leben uns gegeben, nein, auch für Freuden sind wir hier.
Ich wollt ein Sträußlein binden, da kam die dunkle Nacht. Kein Blümlein war zu finden. Sonst hätt ich's dir gebracht.
Ich wollte gern ein Kränzlein binden, konnt aber keine Blumen finden. Der Schnee hat alles zugedeckt, und die Blümchen sind versteckt.
Wie das Veilchen sei bescheiden, wie der Frühling reich an Freuden.
Dem kleinen Veilchen gleich, das im Verborgenen blüht, sei immer fromm und gut, auch wenn dich niemand sieht.
Das Veilchen am Bache, das Röslein am Strauch sind alle zwei herzig, und du bist es auch!
Ein Blütenkranz ist unser Leben, wo Knospe sich an Knospe drängt, mit süßem Wohlgeruch umgeben. Doch, ach, zu oft mit Dornen untermengt.
Kein Sternlein blinkt im Walde. Weiß weder Weg noch Ort: Die Blumen an der Halde, die Blumen in dem Walde, die blühn im Dunkeln fort.
— Theodor Storm