Sprüche über Welt
711 Sprüche — Seite 29
Weit mehr als bloße Umgebung ist die Welt der Raum, in dem Sehnsucht, Erfahrung und Erkenntnis aufeinander treffen. Sie erscheint groß und verwirrend, schön und unerbittlich zugleich und fordert den Menschen immer wieder heraus, seinen Platz in ihr zu verstehen. Darum wird sie in Sprüchen oft zugleich betrachtet und befragt.
Was dabei entsteht, ist keine Beschreibung von außen, sondern eine Auseinandersetzung von innen. Die Welt, über die nachdenkende Menschen schreiben, ist nie nur das, was vor Augen liegt – sie ist das, was ein Mensch in ihr erkennt, erträgt, bestaunt oder nicht versteht, und genau darin liegt der bleibende Wert dieser Gedanken.
Die Welt hat sich umgekehrt, drum habe ich arme Esel pfeifen gelehrt.
Die Welt schaltet, Gott waltet.
Gott grüßt alle Welt, aber wenige danken ihm.
Was alle Welt verdrießt, verdrießt auch Gott.
Liebe erfüllt die Welt und mehrt den Himmel.
Auf Lieb und Gewinn steht aller Welt Sinn.
Zum Abschiednehmen just das rechte Wetter. Grau wie der Himmel steht vor mir die Welt.
— Joseph Victor von Scheffel
Welcher Raum in der Welt ist nicht schon voll von unserem Mühen?
— Vergil
Die Welt verstehen nenne ich der Welt gewachsen sein.
— Oswald Spengler
Überhaupt ist in der Welt nichts so schwierig wie das Heiraten.
— Friedrich Schleiermacher
Tiefe Seelen brauchen keinen Weltraum, Welteroberer brauchen keine Seelentiefe.
— Oswald Spengler
Die Welt ist wahrhaft zu ernsthaft, um damit zu spaßen.
— Achim von Arnim
Wer nicht die Welt in seinen Freunden sieht, verdient nicht, dass die Welt von ihm erfahre.
— Johann Wolfgang von Goethe
Wo ein Begeisterter steht, ist der Gipfel der Welt.
— Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff
Die Welt verstehen heißt für einen Menschen: Sie auf das Menschliche zurückführen, ihr ein menschliches Siegel aufdrücken.
— Albert Camus
Nicht die Sittlichkeit regiert die Welt, sondern eine verhärtete Form derselben: Die Sitte.
— Berthold Auerbach
Köpfe, die nur den Nutzen und das Brauchbare bedenken, vernutzen und verbrauchen die Welt.
— Friedrich Georg Jünger
Die Welt ist wie ein Meer; ein jeder geht und fischt, nur dass den Walfisch der, den Stockfisch er erwischt.
— Friedrich von Logau
Alle Welt klagt über den Journalismus, und jedermann möchte ihn für sich benutzen.
— Gustav Freytag
Wer in der Welt gefallen will, muss sich entschließen, eine Menge Dinge zu lernen, die man von Leuten erfährt, die sie nie gelernt haben.
— Nicolas Chamfort