Sprüche über Geist
508 Sprüche — Seite 8
Was den Menschen über das bloß Gegebene hinausdenken lässt, wird seit jeher mit dem Geist verbunden. In ihm liegen Schärfe des Verstandes, schöpferische Vorstellung, Urteilskraft und jene Freiheit, die nicht nur reagiert, sondern entwirft. Darum ist dieses Thema von besonderer Tiefe für Kultur, Erkenntnis und Selbstverständnis.
Seine Größe zeigt sich nicht in Lautstärke, sondern in Klarheit, Weite und Unabhängigkeit des Denkens. Die Sprüche zu diesem Thema beleuchten Einsamkeit und Genialität, Bildung und Einbildung und machen deutlich, wie viel Verantwortung in geistiger Kraft liegen kann.
Unser Wissen ist nicht vorhanden, wenn es nicht benutzt wird.
— Igor Strawinski
Nicht im Kopfe, sondern im Herzen liegt der Anfang
— Maxim Gorki
Der privilegierte Mann, ob er politisch oder ökonomisch privilegiert wird, ist ein Mann, der im Intellekt und im Herzen verdorben wird.
— Michail Bakunin
Unsere Köpfe sind wie eine magische Laterne, in der ein Unbekannter ständig kleine Bilder wechselt.
— Stanislaw Brzozowski
Begreifen wir endlich, dass der emotionale Kult der Tradition nur eine Form unserer geistigen Faulheit ist.
— Stanislaw Brzozowski
Die Arbeit, die tüchtige, intensive Arbeit, die einen ganz in Anspruch nimmt mit Hirn und Nerven, ist doch der größte Genuß im Leben.
— Rosa Luxemburg
Nach einem bösen Traum sieht man, welchen Stoff zu einer Hölle ein bloßes Gehirn in sich aufbewahrt.
— Jean Paul
Die Drei und die Sieben sind die beiden größten geistigen Zahlen.
— Honoré de Balzac
Ist der Körper gerade, ist der Geist gerade.
Auf Erden die größte Pein heißt: auf Kommando geistreich sein
— Rudolf Otto Hermann Presber
Es ist besser, feurig von Geist zu sein, selbst wenn man dann mehr Fehler begeht, als beschränkt und übervorsichtig.
— Vincent van Gogh
Ich reiße mir die Bilder Stück für Stück aus dem Gehirn
— August Robert Ludwig Macke
Durch geistige Kraft können wir den beherrschen, der uns an körperlicher überragt.
— Antiphon
Der Geist, der seine Freuden aus sich selbst schöpft, ist glücklich
— Demokrit
Charme ist im Menschen wie das Brennen beim Feuer, das Leuchten bei der Kerze, das Funkeln bei kostbaren Steinen, Gold und Silber. Es ist etwas geistiges.
— Li Liweng
Ein geistreicher Mensch wäre oft recht in Verlegenheit ohne die Gesellschaft der Dummköpfe.
— François de la Rochefoucauld
Der Geist ist kein Behälter den man füllt, sondern ein Feuer, das man nährt.
— Plutarch
Wer seine Kraft bewahren und seinen Geist ausruhen lassen kann, wird Nerven wie Stahl bekommen.
— Prentice Mulford
Das Halbverstandene und Halberfahrene ist nicht die Vorstufe der Bildung, sondern ihr Todfeind.
— Theodor W. Adorno
Es ist gut, wenn das Herz naiv ist, aber nicht der Kopf.
— Anatole France