520 Sprüche — Seite 2
Was den Menschen über das bloß Gegebene hinausdenken lässt, wird seit jeher mit dem Geist verbunden. In ihm liegen Schärfe des Verstandes, schöpferische Vorstellung, Urteilskraft und jene Freiheit, die nicht nur reagiert, sondern entwirft. Darum ist dieses Thema von besonderer Tiefe für Kultur, Erkenntnis und Selbstverständnis.
Seine Größe zeigt sich nicht in Lautstärke, sondern in Klarheit, Weite und Unabhängigkeit des Denkens. Die Sprüche zu diesem Thema beleuchten Einsamkeit und Genialität, Bildung und Einbildung und machen deutlich, wie viel Verantwortung in geistiger Kraft liegen kann.
Glänzende Eigenschaften des Geistes erwerben Bewunderung, aber nicht Zuneigung. Diese bleibt den moralischen, den Eigenschaften des Charakters vorbehalten.
— Arthur Schopenhauer
Alle Erziehung, ja alle geistige Beeinflussung beruht vornehmlich auf Bestärken und Schwächen.Man kann niemanden zu etwas bringen, der nicht schon dunkel auf dem Wege dahin ist, und niemanden von etwa …
— Christian Morgenstern
So wie das Eisen außer Gebrauch rostet und das stillstehende Wasser verdirbt oder bei Kälte gefriert, so verkommt der Geist ohne Übung.
— Leonardo da Vinci
Nichtstun ist die schwierigste Tätigkeit und zugleich diejenige, die am meisten Geist erfordert.
— Oscar Wilde
Das Land verkaufen - warum nicht auch die Luft und das Meer. Man kann nicht verkaufen, was der große Geist für uns erschaffen hat.
Hass ist Sache des Herzens, Verachtung des Kopfes.
— Arthur Schopenhauer
Der Geist denkt, das Geld lenkt.
— Oswald Spengler
Der Ungebildete sieht überall nur Einzelnes, der Halbgebildete die Regel, der Gebildete die Ausnahme.
— Franz Grillparzer
Noch nie war die Welt mit soviel Gehirn vollgestopft wie heute und noch nie so leer an Liebe und Ehrlichkeit.
— John Knittel
Auch der Geist hat seine Hygiene, er bedarf, wie der Körper, einer Gymnastik
— Honoré de Balzac
Kein Geist ist in Ordnung, dem der Sinn für Humor fehlt.
— Samuel Taylor Coleridge
Je mehr wir in uns aufnehmen, um so größer wird unser geistiges Fassungsvermögen.
— Seneca
Auf den Geist muß man schauen. Denn was nützt ein schöner Körper, wenn in ihm nicht eine schöne Seele wohnt.
— Euripides
Fast jeder hat Gefühl für die Natur, der eine mehr, der andere minder, aber nur wenig gibt es, die fühlen: Gott ist Geist.
— Vincent van Gogh
Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.
— Ludwig van Beethoven
Glück ist gut für den Körper, aber Kummer stärkt den Geist.
— Marcel Proust
Das Glück liegt nicht nur in den Ekstasen der Liebe, sondern auch in einer sehr tiefen geistigen Harmonie.
— Fjodor M. Dostojewski
Anmut des Leibes ist Anmut der Hülle. Anmut des Geistes ist Anmut der Fülle.
Es ist ja das Ziel jeder Tätigkeit des Intellekts, ein "Wunder" in etwas zu verwandeln, was man begreifen kann.
— Albert Einstein
Dein Geist gleicht einer Mauer, an der wechselnde Wolken vorüberziehen.
— Hildegard von Bingen