Sprüche über Macht
755 Sprüche — Seite 31
Wo Einfluss wächst, zeigt sich oft schneller als irgendwo sonst, wer ein Mensch wirklich ist. Macht kann ordnen, schützen und gestalten, sie kann aber ebenso verführen, verhärten und den Blick für Verantwortung verstellen. Gerade darum ist sie eines der aufschlussreichsten Themen für moralische und politische Betrachtung.
Entlarvend wird sie vor allem dort, wo sie nicht mehr als Dienst, sondern als Besitz missverstanden wird. Die Sprüche zu diesem Thema untersuchen das Verhältnis von Stärke und Maß, Herrschaft und Pflicht und erinnern daran, dass wahre Größe sich im Umgang mit Macht bewährt, nicht im bloßen Besitz von ihr.
Alter macht weiß, nicht weise
Das Licht vom Himmel lässt sich nicht versprengen, noch lässt der Sonnenaufgang sich verhängen mit Purpurmänteln oder dunklen Kutten.
— Nikolaus Lenau
Die eifrigsten Reformer haben lernen müssen, dass sie sich jediglicher Macht berauben, wenn sie den schwerfälligen Massen zu weit voraneilen.
— Woodrow Wilson
Es gibt Tugenden, die man nur ausüben kann, wenn man reich ist
— Antoine de Rivarol
Zuviel Schlaf macht den Kopf dumpf
So ein Spinnentüchlein voll Regentropfen - wer macht das nach?
— Christian Morgenstern
Bei der Erfahrung kommt es darauf an, mit welchem Sinn man an die Wirklichkeit geht. Ein großer Sinn macht große Erfahrungen und erblickt in dem bunten Spiele der Erscheinungen das, worauf es ankommt.
— Georg Friedrich Wilhelm Hegel
Der Staat ist eine Maschine zur Aufrechterhaltung der Herrschaft einer Klasse über eine andere.
— Wladimir Iljitsch Lenin
Öffentlichkeit, Öffentlichkeit, Öffentlichkeit, ist der größte moralische Machtfaktor in unserer Gesellschaft.
— Joseph Pulitzer
Ich will aufhören, an Gott zu glauben, wenn ich sehe, dass ein Baum ein Gedicht macht und ein Hund eine Madonna malt; eher nicht.
— Christian Friedrich Hebbel
Das Charakteristische an der Demokratie ist die Herrschaft auf Zeit.
— Theodor Heuss
Herrschen ist Unsinn, aber Regieren ist Weisheit. Man herrscht also, weil man nicht regieren kann.
— Johann Gottfried Seume
Aberglaube ist die Form der Ehrfurcht, die selbst den Zufall als eine Anordnung höherer Mächte anerkennt.
— Carl Ludwig Schleich
Man überzeugt am besten von seiner Macht, wenn man sie missbraucht
— Daniel Spitzer
Die Liebe öffnet den Geist und macht den Verstand klar.
— Niccolò Tommaseo
Eine Flaumfeder kann einen Kieselstein rund schleifen, sofern sie von der Hand der Liebe geführt wird.
— Hugo von Hofmannsthal
Was der Mensch sein möchte, aber nicht ist, dazu macht er seinen Gott.
— Ludwig Andreas Feuerbach
Aber es ist nun einmal auf der Welt so eingerichtet, dass ein Mann, der den anderen das Brot gibt, zugleich sein Herr ist.
— Jack London
Im Leben kommt einmal die Zeit, da man sich darüber klarwerden muss, was besser ist, zu zertreten oder zertreten werden.
— John Knittel
Alle politischen Fragen, alle Fragen des Rechts, sind im Grunde nur Machtfragen.
— August Bebel