514 Sprüche — Seite 8
Der Wunsch nach Anerkennung begleitet den Menschen weit tiefer, als es äußere Höflichkeit vermuten lässt. Gesehen, gewürdigt und im eigenen Bemühen ernst genommen zu werden, gehört zu den stillen Bedürfnissen jeder Person. Darum berührt dieses Thema Selbstwert, Leistung und zwischenmenschliche Gerechtigkeit zugleich.
Ihre Ambivalenz zeigt sich darin, dass Anerkennung stärken kann, aber nicht zum einzigen Maßstab eines Lebens werden darf. Die Sprüche zu diesem Thema fragen nach echtem Verdienst, nach äußeren Urteilen und innerer Unabhängigkeit und machen sichtbar, wie fein die Grenze zwischen Würdigung und Abhängigkeit verläuft.
Wenn euch eine Lektüre das Herz erhebt, wenn sie euch zu edlen, tapfernen Empfindungen erfreut, dann braucht ihr kein weiteres Kriterium: das Werk ist gut
— Jean de la Bruyère
Schlechte Bücher taugen auch guten zu der Gegenprobe: Finst'res macht, dass jedermann desto mehr das Lichte lobe.
— Friedrich von Logau
Wir lieben die uns Wohlwollenden, aber wir achten mehr die, die es wagen, uns ehrlich anzugreifen. So hoch ist unsere Meinung von uns selbst.
— Carl Ludwig Schleich
Auch Gelegenheit macht nicht Diebe allein, sie macht auch beliebte Leute, Menschenfreunde, Helden.
— Georg Christoph Lichtenberg
Man ist viel wert in der Welt, wenn man sein Fach versteht.
— Adolph Freiherr von Knigge
Fordre kein lautes Anerkennen! Könne was, und man wird dich kennen.
— Paul Johann Ludwig von Heyse
Da in der Achtung dieser Welt so mancher Wicht wird hochgestellt, gilt mir nur der als rechter Mann, der ehrlich selbst sich achten kann.
— Friedrich von Bodenstedt
Wer imponiert? Nur welcher ruhig seinen Weg geht.
— Wilhelm Raabe
Ungerechtfertigtes Lob kann Schwache gefährden, ungerechter Tadel auch Starke vom rechten Weg ableiten.
— Georg Ebers
Von den Schlechten verlacht zu werden ist fast ein Lob.
— Erasmus von Rotterdam
Auf unserer Erdenwelt hängt oft alles von den Äußerlichkeiten ab, mit denen man sich in Szene setzt.
— Alfred de Musset
Risikolos gewinnen heißt ruhmlos siegen
— Pierre Corneille
Obwohl die Menschen sich auf ihre grossen Taten etwas zugute tun, sind diese doch oft nicht Resultate eines grossen Planes, sondern des Zufalls.
— François de la Rochefoucauld
Warum klagen so viele, dass sie unterschätzt werden? Schlimmer ist doch das Gegenteil.
— Friedrich Georg Jünger
Ein Führer entsteht nur, wenn eine Gefolgschaft bereits da ist.
— Ludwig Marcuse
Man glaubt nie einem Menschen, weil er klug ist, sondern weil man ihn schätzt und liebt.
— Vinzenz von Paul
Bücher haben, genau wie Menschen, ihren Erfolg oft ihrem Titel zu verdanken.
— Peter Sirius
Wer sich weder durch Lob verführen, noch durch Tadel in Verwirrung bringen lässt, der besitzt großen Herzensfrieden.
— Thomas à Kempis
Die Ehre ist ein Rechenspiel, bald gilt man nichts, bald gilt man viel.
— Abraham a Sancta Clara
Jeder Künstler strebt nach Ehre, wünscht, der einzige zu sein
— Wolfgang Amadeus Mozart