887 Sprüche — Seite 10
Wo menschliche Sprache an ihre Grenze gerät, beginnt oft das tastende Reden von Gott. In diesem Thema verdichten sich Ehrfurcht, Trost, Zweifel und die Sehnsucht nach einem Sinn, der über das Sichtbare hinausweist. Seit Jahrhunderten suchen Menschen Worte für das, was sie trägt, erschüttert oder rettet.
Seine religiöse Tiefe entfaltet sich nicht nur in Gewissheiten, sondern ebenso im Fragen, Hoffen und Vertrauen. Die Sprüche zu diesem Thema spiegeln jene Bewegung des Herzens, die zwischen Demut und Zuversicht ihren Ausdruck sucht und im Glauben mehr erkennt als bloße Lehre oder fromme Formel.
Wenn zwei Kleinliche sich paaren, mög' die andern Gott bewahren. Knausern beide im Verein, wird es unerträglich sein.
— Otto Julius Bierbaum
Die Geschichte meines Lebens wird der Welt sagen, was sie mir sagt: Es gibt einen liebevollen Gott, der alles zum Besten führt.
— Hans Christian Andersen
Wer Gott zum Freunde hat, dem schadet keine Kreatur.
Ich habe einen Platz in Gottes Plan, auf Gottes Erde, den keiner anderer hat.
— John Henry Newman
Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich klein; ob aus Langmut er sich säumet, bringt mit Schärf' er alles ein.
— Friedrich von Logau
Christus hat durch erstes Kommen uns des Teufels Reich genommen. Kommt er jetzt nicht bald hernieder, kriegt der Teufel alles wieder.
— Friedrich von Logau
Man muss wenigsten soviel Zeit aufwenden, Gott für seine Wohltaten zu danken, als man gebraucht hat, ihn darum zu bitten.
— Vinzenz von Paul
Den Nächsten lieben heißt Gott in seinem Bilde lieben.
— Nikolaus von Kues
Gott leitet seine Kinder, die er auserwählt hat, wunderliche Wege.
— Mechthild von Magdeburg
Die Hilfe Gottes ist unser weiter Raum, der uns frei und fröhlich macht.
— Martin Luther
Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder?
— Friedrich Nietzsche
In der Liebe zu dem, der uns erschaffen und erlöst hat, haben wir alles überreich.
— John Henry Newman
Aller Tod in der Natur ist Geburt, gerade im Sterben erscheint sichtbar die Erhöhung des Lebens
— Johann Gottlieb Fichte
Die Natur ist ein unendlich geteilter Gott.
— Friedrich von Schiller
Der Mensch hängt vom Himmel so wie das Schiff vom Lotsen ab.
Der Gott muss in den Liebenden sein, ihre Umarmung ist eigentlich seine Umschließung, die sie in demselben Augenblicke gemeinschaftlich fühlen, und hernach auch wollen.
— Friedrich Schleiermacher
Alles Göttliche und alles Schöne ist schnell und leicht. Oder sammelt die Freude sich etwa so wie Geld und andere Materien durch ein konsequentes Betragen?
— Friedrich von Schlegel
Gott schuf die Erde und ruhte einen Tag; danach hat er die Frau erschaffen, und seitdem hat er keine Ruhe mehr.
Wenn Gott einen Hund misst, zieht er ein Band um das Herz statt um den Kopf.
Kann man ein Heiliger sein ohne Gott? Das ist das einzige konkrete Problem, das ich heute kenne.
— Albert Camus